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Gessler (nach einigem Stillschweigen).
Du bist ein Meister auf der Armbrust, Teil.
Man sagt, du nebnest es auf mit jedem Schützen!Walt her.
Und das muss wahr sein, Herr, ’nen Apfel schlosstDer Vater dir vorn Baum auf hundert Schritte.
G es sler.
Ist das dein Knabe, Teil?
Teil.
Ja, lieber Herr.
Gessler.
Hast du der Kinder mehr?
Teil.
Zwei Knaben, Herr.Gessler.
Und welcher ist’s, den du am meisten liebst?
Teil.
Herr, beide sind mir gleich liebe Kinder.
Gessler.
Nun, Teil, weil du den Apfel triffst vorn BaumeAuf hundert Schritt, so wirst du deine KunstVor mir bewähren müssen. — Nimm die Armbrust —Du hast sie gleich zur Hand — und mach' dich fertig,Einen Apfel von des Knaben Kopf zu schlössen —Doch will ich raten, ziele gut, dass duDen Apfel treffest auf den ersten Schuss;
Denn fehlst du ihn, so ist dein Kopf verloren.
(Alle geben Zeichen des Schreckens).
Teil.
Herr — welches Ungeheure sinnet ihr
Mir an? — Ich soll vorn Haupte meines Kindes —
— Nein, nein doch, lieber Herr, das kommt euch nichtZu Sinn •— verhüt’s der gnäd’ge Gott — das könnt ihrIm Ernst von einem Vater nicht begehren!
Gessler.
Du wirst den Apfel schiessen von dem KopfDes Knaben —• ich begehr’s und will’s.
Teil.
Ich soll
Mit meiner Armbrust auf das liebe HauptDes eignen Kindes zielen? — Eher sterb’ ich!Gessler.
Du schlössest oder stirbst mit deinem Knaben.