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hiefür. Am besten ist dieser violettblaue, von weissen Kalkaderndurchzogene Stein. Es ist Sclirattenkalk. Weil er fast chemischrein ist, also nur aus Calcium und Kohlensäure besteht, wittert erleicht an und zerfällt in die bekannten Karren mit den messer-scharfen Rändern.
Diesen Kalkstein bringen wir in grossen Stücken in deneigens hiefür gebauten Kalkofen. Die ältern Ofen sind Schacht-öfen, die von mehreren Stellen aus geheizt werden, Von diesenHerden aus wird nach und nach die ganze Füllung des Ofens er-wärmt und schliesslich so stark erhitzt, dass sie eine weissglühendeMasse bildet. Zu den Rauchzügen heraus schlägt alsdann diegelbe Kalkflamme heraus. Bei einer Hitze von zirka 1000° Centweicht alle Kohlensäure. Die gewöhnlichen Kalköfen sind soeingerichtet, dass die ganze Füllung zunächst angeheizt und durch-gebrannt, dann 12 Stunden abgekühlt und herausgenommen wird.Das erfordert viel Zeit und viel Brennmaterialien. Darum ver-wendet man heute im Grossbetrieb einen Ofen, der einen ununter-brochenen Betrieb gestattet. Das ist der Ringofen.
2. In der Glühhitze des Kalkofens hat der Kalkstein dieKohlensäure verloren; es bleibt Kalkoxyd oder eben gebrannterKalk zurück. Die Brocken haben noch die gleiche Gestalt; abersie haben die Hälfte ihres Gewichts verloren und sehen gelblichweiss aus. Sie sind sehr porös und saugen sehr begierig Wasseran, mit dem sie sich unter starker Wärmeentwicklung verbinden.Bevor wir den Mörtel bereiten können, müssen wir den gebranntenKalk löschen.
Wir bringen denselben in eine grosse Benne und übergiessenihn langsam mit Wasser. Er zerbröckelt vollständig und löst sichzu einer breiartigen Flüssigkeit, der Kalkmilch, auf. Diese lässtman ruhig stehen. Bald sinkt der Kalk als Bodensatz, der zueiner zähen Masse erstarrt. In diesem Zustande heisst der KalkFettkalk. Dieser wird nun zur Mörtelbereitung verwendet undbis zum Gebrauche in Gruben aufbewahrt. Rührt man ihn wiedermit Wasser an, so entsteht Kalkmilch, und mit Sand vermischterhält man, je nach Zufuhr von gelöschtem Kalk, mehr oder wenigerfetten Mörtel.
Der Sand hat im allgemeinen nur die Aufgabe die Lücken,die bei der Erstarrung des Kalkes sich bilden, auszufüllen. Wasserhingegen ist notwendig, um die Mörtelstoffe gut untereinander zumengen. Unser Mörtel erhärtet an der Luft, indem der gelöschte