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Lehr- und Lesebuch für das achte Schuljahr der Primarschulen des Kantons St. Gallen / nach Vorlage der kantonalen Lehrmittelkommission hrsg. vom Erziehungsrat des Kantons St. Gallen
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zu wiederholen. Dann setze ich den Südpol genau in der Mitteauf und verfahre mit der andern Hälfte der Stricknadel in gleicherWeise. Nun prüfen wir, ob die Stricknadel wirklich ein Magnetgeworden sei. Das ist der Fall, wenn sie zwei Pole hat. Wirwollen sehen! Auf das Ende, das wir mit dem Nordpol gestrichenhaben, kleben wir nun ein kleines Papierstreif eben. Wir nähernnun dieses Ende dem Nordpol einer Magnetnadel. Sie ziehen sichan. Aber das ist auch bei gewöhnlichem Eisen der Fall. Kehrenwir also unsere Stricknadel um und nähern wir dem Nordpol dasandere Ende der Stricknadel. Die Magnetnadel wird kräftig ab-gestossen. Folglich zeigt sie zwei verschiedene magnetische Enden,also zwei Pole. Sie ist ein Magnet geworden.

2. Ich habe zwei gleich starke Stabmagnete. An den Nord-pol des einen Magnets hänge ich ein Eisenstück. Über demselbenPol nähere ich den Südpol des andern Magnets: das Eisenstückfällt ab. Ich wiederhole denselben Versuch am Südpol und nähereden Nordpol. Wieder fällt das Eisenstück ab. Die anziehendeKraft ist also in beiden Fällen aufgehoben.

Endlich lege ich die beiden Stabmagnete so aufeinander, dassder Nordpol auf den Südpol zu liegen kommt. Ich nähere dasgleiche Eisenstück. Es wird nicht angezogen. Beide Pole desDoppelmagnets zeigen sich unmagnetisch; denn gleich starke,ungleichnamige Magnetpole heben sich auf. Diese Tatsache er-klärt uns sehr einfach die Kunst, in der Stricknadel Magnetismushervorzurufen. Wir denken uns die Stricknadel aus lauter kleinenStücklein zusammengesetzt. Jedes ist ein Magnet mit Nord- undSüdpol. Aber diese Magnete sind vor dem Strich so angerichtetneben- und übereinander, dass die ungleichnamigen Magnetismeneinander aufheben. Durch das Streichen werden alle Nordpolenach der einen, alle Südpole nach der andern Richtung gezogen.Das wiederholte Streichen ist nötig, weil sich diese kleinen Mag-nete nur schwer und zwar erst nach wiederholtem Ziehen richtenlassen. Nut die kleinen Magnete des Stahls lassen sich dauerndrichten; diejenigen des Eisens dagegen schlagen nach dem Strichgleichsam in ihre frühere Lage zurück. Eisen wird daher nie einMagnet, ist aber magnetisch, so lang es im magnetischen Feldsich findet. Diesen Einfluss eines Magnets auf Eisen bezeichnenwir mit magnetischem Einfluss, magnetischer Influenz, oder In-duktion. Halte ein Eisenstäbchen in das magnetische Feld einesNordpols! Was für einen Pol zeigt das abgewendete Ende desselben?