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Deutsches Lesebuch für die unteren Klassen schweizerischer Mittelschulen
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und die gute Mutter blieb lange in ungewöhnlicher Rührung, fastweniger darüber, daß sie heute die Ihrigen fand, als darüber, daßsie sie gestern schon gesehen hatte. Als der Wirt zurückkam,sagte er, das Geld regne zwar nirgends durch das Kamin herab;aber nicht 200 Franken nähme er darum, datz er nicht zugesehenhätte, wie die gute Mutter ihren Sohn erkannte und sein Glücksah, und der Hausfreund sagt:Es ist die schönste Eigenschaftweitaus im menschlichen Herzen, datz es so gerne zusieht, wennFreunde oder Angehörige unverhofft wieder zusammenkommen,und datz es allemal dazu lächeln oder vor Rührung mit ihnenweinen mutz."

2. Der Vater.

Björnstjerne Björnson.

Der Mann, von dem hier erzählt werden soll, war der mäch-tigste in seinem Kirchspiel; er hietz Thord Oeveraas. Er standeines Tages hochaufgerichtet und ernsthaft im Studierzimmerdes Pfarrers:Ich habe einen Sohn bekommen," sagte er,undich will ihn getauft haben."Wie soll er heißen?"Finn, nachmeinem Vater."Und die Gevattern?" Er nannte sie, und es warendie angesehensten Männer und Frauen des Kirchspiels, alle aus derFamilie des Mannes.Ist da sonst noch etwas?" fragte der Pfarrerund sah auf. Der Bauer stand einen Augenblick da, dann sagteer:Ich möchte ihn gern allein getauft haben."Das heißt aneinem Wochentage?"Am nächsten Sonntag um zwölf Uhr mit-tags."Ist da sonst noch etwas?" fragte der Pfarrer.Sonstist da nichts." Der Bauer drehte die Mühe in den Händen, alswolle er gehen. Da erhob sich der Pfarrer.Ja, eins ist nochvergessen," sagte er, ging auf Thord zu, faßte seine Hand und sahihm in die Augen:Gott gebe, datz das Kind dir zum Segengereichen möge!"

Sechzehn Jahre nach dem Tage stand Thord wieder in derStube des Pfarrers.Du hältst dich gut, Thord," sagte der Pfarrer;er bemerkte keine Veränderung an ihm.Ich habe auch keineSorgen," sagte Thord. Hierzu schwieg der Pfarrer, aber nach einerWeile sagte er:Was führt dich heute abend hierher?"Heuteabend komme ich meines Sohnes wegen, der morgen konfirmiertwerden soll."Er ist ein tüchtiger Junge."Ich wollte den Herrn