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Deutsches Lesebuch für die unteren Klassen schweizerischer Mittelschulen
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10
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4. Mut zweier Knaben.

Fr. Jacobs.

In Ungarn wohnte nicht weit von der Stadt Bistrih einearme Witwe auf dem Dorfe; diese Frau war kraut, und da esim Hause an Holz mangelte, schickte sie ihre beiden Knaben miteinem Schlitten hinaus in den Wald. Von diesen Knaben warder älteste noch nicht zwölf, der andere erst acht Jahre alt. Wiesie mit ihrem Schlitten an der Kirche vorüberkamen, sagte derJüngere:Janko, laß uns erst in die Kirche gehen!" Der Altereantwortete:Ich bin dabei!" Sie ließen also ihren Schlitten ander Kirchentüre stehen, gingen hinein und beteten. Dann fuhrensie weiter und waren recht wohlgemut, ob sie gleich einmal überdas andere tief in den Schnee fielen, und dürres Holz fandensie auch im Überfluß. Und schon waren sie beschäftigt, es auf demSchlitten zusammenzulegen und festzubinden, als sie in der Fernezwei Wölfe erblickten, die in gerader Richtung auf sie zuliefen.Ihnen zu entrinnen, war unmöglich; ein Baum, auf den sie sichhätten retten können, war nicht in der Nähe; denn ringsumherwar nur Buschholz, und was hätte ihnen auch der höchste Baumgeholfen? Die Wölfe hätten dabei Wache gehalten, und sie hättenverhungern müssen. Was tun sie also in dieser Not? Der ältere,ein entschlossener Knabe, deckt den kleinern mit dem Schlitten zu,wirft so viel Holz darauf, als er kann, und ruft ihm zu:Bete,aber rühre dich nicht! Ich habe Mut."Ach, mein Gott,"sagt der kleine weinend,wenn wir umkämen, die Mutter stürbevor Gram." Der eine Knabe steckt also unter dem Schlittenund dem dürren Holze; der größere aber, der Janko, stellt sichmit der Art in Positur, und wie der eine Wolf, der am hitzigstenvorausgelaufen ist, herankommt, versetzt er ihm einen Hieb inden Nacken, daß er zu Boden fällt. In diesem Augenblick packtihn der andere Wolf am Arm und wirft ihn zu Boden. Hierfaßt er nun in krampfhafter Angst das Untier mit beiden Händenan der Kehle und hält den weit geöffneten Rachen von sich ab,ohne doch zu schreien, um das Leben seines Bruders nicht inGefahr zu bringen. Diesen aber ergreift in seinem Versteck eineunbeschreibliche Angst. Er wirft den Schlitten und das Holz vonsich, rafft die zur Erde gefallene Art auf und versetzt dem Wolfeeinige Hiebe auf den Rücken. Dieser wendete sich nun gegen denneuen Feind, und er würde ihn ohne Zweifel zerrissen haben,