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Deutsches Lesebuch für die unteren Klassen schweizerischer Mittelschulen
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12. Einige Abenteuerdes Freiherrn von Münchhansen.

R. E. Raspe und E. A. Bürger.

1. Das Nachtlager im Freien.

Auf einer Reise nach Rußland, die ich mitten im Winterzu Pferde antrat, überfielen mich einst auf ödem Anger Nachtund Dunkelheit. Nirgends war ein Dorf zu hören, noch zu sehen.Das ganze Land lag unter Schnee, und ich wußte weder Wegnoch Steg.

Des Reitens müde, stieg ich endlich ab und band mein Pferdan eine Art von spitzem Baumstecken, der über den Schnee her-vorragte. Zur Sicherheit nahm ich meine Pistolen unter denArm, legte mich nicht weit davon in den Schnee nieder und tatein so gesundes Schläfchen, daß nur die Augen nicht eher wiederaufgingen, als bis es Heller lichter Tag war. Wie groß war abermein Erstaunen, als ich fand, daß ich mitten in einem Dorfe aufdem Kirchhofe lag! Mein Pferd war anfänglich nirgends zusehen; doch hörte ich es bald darauf irgendwo über mir wiehern.Als ich nun wieder emporsah, so wurde ich gewahr, daß es anden Wetterhahn des Kirchturmes gebunden war und von daherunterhing.

Nun wußte ich sogleich, wie ich daran war. Das Dorf warnämlich die Nacht über ganz zugeschneit gewesen; das Wetterhatte auf einmal umgesetzt; ich war im Schlaf nach und nach,so wie der Schnee zusammengeschmolzen, ganz sanft herabgesunken,und was ich in der Dunkelheit für den Stummel eines Bäumchens,der über den Schnee hervorragte, gehalten, und woran ich meinPferd gebunden hatte, das war der Wetterhahn des Kirchturmsgewesen.

Ohne mich nun lange zu bedenken, nahin ich eine von meinenPistolen, schoß nach dem Halfter, kam glücklich auf die Art wiederan mein Pferd und verfolgte meine Reise.

2. Der Rekognoszierungsritt auf der Bombe.

Im Türkenkriege belagerten wir ich weiß nicht mehr welcheStadt, und dem Feldmarschall war ganz erstaunlich viel an ge-nauer Kundschaft gelegen, wie die Sachen in der Festung stünden.Es schien äußerst schwer, ja fast unmöglich, durch alle Vorposten,