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Du aber schläfst und schlummerst nicht,du treuer Gott im Sternenlicht,
Dir will ich mich vertrauen.
0, hab’ auf mich, dein Kind, wohl acht;
Lass mich nach einer sanften Dacht
Die Sonne fröhlich schauen. Claudius.
23. Von zwei mutigen Knaben.
Wenn die Kinder eines Dörfleins im Kanton Aargauin die Schule gehen wollen, so müssen sie über einen Bach,und es ist ein hoher Steg da mit zwei Balken. Nun warendie Kinder einmal in der Schule, und unterdessen kam einstarkes Gewitter, so dass der Bach hoch anschwoll. DasWasser riss auch einen d§r beiden Balken des Steges weg,und wie die Kinder heimkehren wollten, fürchteten sie sichfast, über den einen Balken zu schreiten.
Es fing aber schon an, spät zu werden, und so ent-schlossen sie sich, den Übergang zu wagen. Die drei mutig-sten Knaben kamen glücklich hinüber; aber ein andererKnabe und ein Mädchen wurden von dem rauschendenWasser erschreckt, und wie sie mitten auf dem Balkenwaren, übernahm sie die Furcht. Sie zitterten, wankten,fielen hinab und erhoben ein Jammergeschrei.
Es waren aber dabei zwei mutige Knaben, JohannesSigrist und Hans Jakob Tätwiler. Die machten sich so-gleich bereit zur Rettung der Gefallenen. Mit frischem Mutegingen sie in das Wasser, hielten sich mit der einen Handan Wurzeln und Gesträuchen fest und fassten mit derandern kräftig die im Wasser Ringenden. Johannes warso glücklich, den gefallenen Knaben bald an das Land zubringen. Hans Jakob aber, der seine zwölfjährige Schwesterretten wollte, wurde vorn Wasser auch überwältigt, undeine weite Strecke samt seiner Schwester fortgerissen,die er aber durchaus nicht losliess. Schon war auch er