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Lesebuch für das vierte Schuljahr der Primarschulen des Kantons St. Gallen / nach Vorlage der Kantonalen Lehrmittelkommission hrsg. vom Erziehungsrate des Kantons St. Gallen
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dem Tode nahe. Da gelang es ihm, einen hereinragendenBaumast zu fassen und sich festzuhalten. So widerstander dem Gewässer, zog seine Schwester gegen sich, kammit ihr glücklich ans Land und hatte ihr das Leben ge-rettet. Jedermann lobte den Mut dieser beiden Knaben,und sie erhielten von den Herren in Aarau eine silberneDenkmünze zur Erinnerung an ihre schöne Tat.

Th. Scherr.

24. Der Kuhhirt.

Ein Knabe weidete ein Rind auf einem Grasplatze nebeneinem Garten. Als er nun in die Höhe nach einem Kirschbaumesah, bemerkte er daran einige reife Kirschen. Die glänzten ihmrötlich entgegen, und es gelüstete ihn,.sie zu pflücken. Da kümmerteer sich nicht mehr um das Tier und kletterte auf den Baum.

Die Kuh aber, da sie den Hirten nicht sah, ging davon,brach in den Garten ein und fraß Blumen und Kräuter nachihrem Gelüste. Anderes zertrat sie mit den Füßen. Als der Knabedas sah, ward er sehr entrüstet, sprang von dem Baume aus dieErde, lief hin, ergriff das Rind und schlug und schmähte esjämmerlich.

Da trat der Vater, der alles gesehen hatte, zu demKnaben, sah ihn ernst an und sprach:Wem gehört solche Züch-tigung, dir oder dem Tiere, welches nicht weiß, was gut oderböse ist? Du hast das Tier nicht gehütet; du bist also schuld,daß es in den Garten lief und Schaden anrichtete. Du bist vonder Kuh weggelaufen und hast Kirschen genommen. Weißt dunicht, daß Stehlen Sünde ist?" Der Knabe schämte sich und batden Vater um Verzeihung. Nach Krummacher.'