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Lesebuch für das vierte Schuljahr der Primarschulen des Kantons St. Gallen / nach Vorlage der Kantonalen Lehrmittelkommission hrsg. vom Erziehungsrate des Kantons St. Gallen
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Feuerlöscheinrichtungen und gehe auch nicht zur Feuerwehrübungoder Sprihenprobe!" Oder:Ich habe ja keine Kinder, also bezahleich keine Schulsteuer". Auf solche Weise würden die Straßen unddie Wasserversorgung usw. bald verlottern, weil man nicht mehrgemeinsam für ihren Unterhalt sorgte. So gingen unsere öffent-lichen oder gemeinsamen Gebäude und das ganze Besitztum baldzu Grunde. Unordnung und Schmutz würden sich bald überallzeigen. Die Bewohner gerieten in Streit und Händel; jederwollte verlangen, daß der andere für die gemeinsamen Zweckeetwas tun solle, und jeder würde dem andern die Schuld zuschieben,daß die Lotterwirtschaft gekommen sei. Es ginge wie etwa beimSpiel der Kinder, wo jedes nur seinem eigenen Kopfe folgen undsich der Regel nicht unterziehen will und einfach erklärt:Mitdem tue i nume! - Du bist d'schuld! I nöd!" -

Wenn die Menschen einander nicht mehr dienen wollten,keine Rücksichten aufeinander nähmen, ginge es wie beim Turm-bau zu Babel.

Das Haus, wo Zwietracht herrscht, zerfällt!

Nur Einigkeit erhält die Welt!

Nach diesem Grundsatz handelten auch schon unsere Väter.Sie haben gemeinsam Kirche und Friedhof, Schulhaus undRathaus gebaut, Straßen errichtet und verbessert, für Armeund Waisen gesorgt und Feuerlöscheinrichtungen geschaffen. Siehaben außerdem von ihrem Vermögen zu bestimmten ZweckenGeldgeschenke gemacht, z. B. für Armen-, Kirchen- und Unterrichts-zwecke. Diese Geschenke nennt man Fonde; denn sie sind einGrundstock oder Fundament, von dem man jährlich nur den Zinsbrauchen darf, aber nicht das Geschenk selbst. Diese Zinsenreichen aber nicht aus, alle Iahresunkosten der Gemeinde zudecken; der Rest muß zusammengesteuert werden; darum hatjeder Bürger Steuern zu bezahlen. - Zur Verwaltung des gemein-samen Eigentums und zur Führung des Gemeindehaushaltes werdenvon den Männern der Gemeinde an der Gemeindeversammlung dieBehörden gewählt, z. B. die Gemeinderäte, Schul- und Kirchenräte,welche dann die Aufgabe haben, für das gemeinsame Wohl zu sorgen.