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Lesebuch für das vierte Schuljahr der Primarschulen des Kantons St. Gallen / nach Vorlage der Kantonalen Lehrmittelkommission hrsg. vom Erziehungsrate des Kantons St. Gallen
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wie auch den Lee und die stolze Reuß. Drüben sehen wir diealten Türme auf der Musegg. Sie stehen da wie die alten Eid-genossen vor dem Feind. Ich kann sie nicht genug beschauen.

Über dem ganzen Bilde wacht der Pilatus. Wie ernstschaut er herunter! Wer sollte auch meinen, daß man in einemEisenbahnwagen dort hinauffahren könnte! Auch der Rigi hat,wie der Vater sagt, seine Eisenbahn, oder sogar deren zwei.Dieser Berg schaut viel freundlicher drein. Auf seinem Scheitelsieht man sogar die schönen Gasthöfe.

Aber am liebsten beschaue ich doch immer wieder den See,auf dem ich nun bald eine Lustfahrt machen darf.

Nun muß ich schließen. Wir eilen nach dem Ankerplatzam See, um unsere Fahrt anzutreten.

Unsere besten Grüße! Karl.

* * *

Meine Lieben!

Da sind wir aus dem Rütli, aber nicht allein! Eine un-gezählte Menge hatte die gleiche Sehnsucht wie wir, heute diesengeheiligten Ort zu besuchen. Es trifft sich gut, daß wir geradeam 1. August hieherkamen, an dem Tag, da der erste Schweizer-bund gestiftet wurde. Das Rütli ist die Wiege der Schweizer-freiheit.Hier standen die Däter zusammen." Wo heute die dreiQuellen aus der Erde hervorbrechen, da sollen die drei Männergestanden haben: Walter Fürst von Uri, Werner Stauffacher vonSchwyz und Arnold an der Halden aus Unterwalden. Der Dolks-mund sagt, so lange die Quellen rieseln, so lange werde die Schweize-rische Eidgenossenschaft Bestand haben. Gebe Gott, daß das wahrwerden denn diese Quellen versiegen nie.

Der Dater erzählte mir, er selbst habe als ein Schulknabemeines Alters mitgeholfen beim Ankaufe des Rütli. Es sei imFahr 1859 gewesen, als die stille Waldwiese ein wohlerworbenesEigentum der schweizerischen Schuljugend wurde. Der Ankaufs-preis habe 55,000 Franken betragen; es seien aber 100,WOFranken zusammengelegt worden. Aus dem Mehrbetrag habe