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man das schöne Pächterhaus gebaut und überhaupt allerlei Ver-besserungen an der Liegenschaft vorgenommen. Ich drückte demVater dankbar die Hand und sagte: „Auch Euer Andenken sollvon uns Jungen würdig geehrt werden!"
Unsere herzlichsten Grütze! Karl.
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Altdorf, den 2. August 1907.
Meine teure Mutter!
Es war dunkle Nacht, als wir gestern hieherkamen; hintereinem schwarzen Vorhang blieb also die ganze Herrlichkeit ver-borgen, die ich hier zu finden hoffte. Aber in der Frühe desMorgens, als der liebe Vater noch fest schlief, schlich ich michheimlich hinaus zum Telldenkmal. Ich kann es euch nicht be-schreiben. Alle Bilder, die wir davon besitzen, können den Eindrucknicht wiedergeben, den es auf den Beschauer macht. Ist dasein Teil voll Kraft und Zuversicht! Und wie der Blick desKnaben an ihm hängt!
Ich weiß nichts wie lange ich vor dem unvergleichlichenKunstwerke stand. Da legte sich unvermerkt eine schwere Handauf meine Schulter. Der Vater stand hinter mir. Fast war mirzu Mute, als wäre der Tell selbst zu mir heruntergestiegen. Ichtat einen leisen Schwur: „Was ich vermag mit meiner schwachenKraft, das will ich dem Vaterland leisten!"
Am Fuße des Bannwaldes schritten wir dann nach demwilden Schächenbach hinaus, um Bürglen zu sehen mit dem Hausedes Meisterschützen. Hieraus kehrten wir nach Altdors zurückzum Morgenessen. In aller Eile dieses Brieflein! Aber nocheinmal, ehe wir scheiden, mutz ich die Stätte sehen, wo der Pfeilden Apfel durchbohrt hat. Die Linde steht nicht mehr; aber einTurm erhebt sich an ihrer Stelle, und ganz in dessen Nähe findetsich das Denkmal, das man nicht genug besehen kann.
Meinen Gruß!
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Karl.