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Das Pferd dient als Reit-, Last- und Zugtier. Der Reitersitzt im bequemen Sattel und steckt die Füße in die beiden Steig-bügel. Mit der Gerte oder mit dem Sporn treibt er das Tieran. Als Lasttier trägt das Pferd auch einen Sattel, aber einenviel größeren. Auf diesem liegt die Last, in zwei Hälften gleichverteilt. Das Pferd, das den Wagen, die Kutsche oder denPflug zieht, trägt ein Geschirr, das über den Kopf gestreift undam Hals oder an der Brust befestigt wird. Die Seitenblätterund Zugstricke führen nach der Wage zurück. Die Hebkrette wirdvorn an der Deichsel festgemacht. Am Kops sitzt die Halfter mitdem „Gebiß." Dieses kommt in die Zahnlücke zu liegen. DasPferd hat nämlich gute Schneide- und breite Backenzähne, aberkeine Eckzähne. Es ist ein Pflanzenfresser, aber kein Wiederkäuer.An jedem Fuß ist auch nur eine gehe, die in einem festen Hornschuhsteckt. Es ist ein Einhufer. Weil dieser auf der harten, rauhenStraße bald abgelaufen würde, schützt man ihn, indem man einstarkes Eisen aufnagelt. Das freie Pferd, das den ganzen Sommerauf der Weide bleiben darf, bekommt keine Beschläge. Erst mitdem dritten Altersjahr wird es eingespannt. Ein junges Pferdchenheißt Füllen. Es ist ein gar flinkes, schönes Tierchen. Die Stimmedes Pferdes ist ein lustiges Wiehern.
So schön das Pferd in der Vollkraft seiner besten Jahreist, so häßlich wird es nicht selten im Alter. Da sein Fleischnur selten gegessen wird, schlachtet man das arme Tier nicht,so lange es zu irgend einer Arbeit tauglich ist. Kann es nichtmehr den Reiter tragen und die Kutsche ziehen, so muß es nochden schweren Karren schleppen, bis seine Glieder völlig steifgeworden sind. Den ganzen Tag müht es sich ab, ohne einenSchmerzenslaut von sich zu geben. Kommt es abends an seineKrippe, so frißt es wohl noch fein Futter; aber es legt sich nichtmehr auf die Streu' nieder, um auszuruhen, weil es sich amMorgen nicht mehr von selbst erheben könnte. So bleibt esstehen, bis man es wieder einspannt. Ein barmherziger Meisterallerdings gibt seinem alten Pferde, das ihm so treu gedient hat,das Gnadenbrot.