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113. Arau Schwalbe auf der Weife.
Im Herbste scharen sich die Schwalben Zu ihrer großenWinterreise nach Afrika zu Hunderten zusammen. Der Schwärmbricht mit dem ersten Tagesgrauen auf und zieht ununterbrochenweiter bis drei oder vier Uhr des Nachmittags. Bei klaremHimmel fliegen die Wanderer hoch oben in der Luft, bei trüberWitterung tiefer unten am Boden. Durch den Wind, der ihnenentgegenweht, lassen sie sich nicht aufhalten. Treffen zwei Wander-scharen zusammen, so vereinigen sie sich mit Zeichen lebhafterFreude. Sie wählen hohe Dächer zu ihren nächtlichen Ruhe-plätzen, benehmen sich hier aber sehr geschwätzig und unruhig.Oftmals bringt der Schrei einer einzelnen Schwalbe die ganzeSchar zum Auffliegen. Sie treibt sich eine Weile in der Luftherum und läßt sich dann an derselben Stelle nieder. Garmanches Dögelein erliegt den Mühen des weiten Weges. Dieseskommt um aus Mangel an Nahrung; jenes wird vom Windins Meer geschleudert; das eine erfaßt ein Raubvogel; dasandere erbeutet ein listiger Vogelsteller.
Selbst wenn die Rückreise glücklich überstanden ist, unduns die Schwalbe wieder durch ihr Lied begrüßt, sind noch nichtalle Gefahren überwunden. Schon das Sprichwort sagt: „EineSchwalbe macht noch keinen Sommer." Es deutet an, daß einzelneSchwalben früher kommen, als es für sie gut ist. Tritt näm-lich auf die ersten warmen Frühlingstage wieder kaltes Wetterein, so finden die voreiligen Ankömmlinge keine Nahrung undsind verloren. Über die wiederkehrenden Schwärme aber freuenwir uns, weil sie uns den Frühling mitbringen, und jedermannsieht die Schwalben gern; ja der Landmann ist froh, wenn sieihr Nest an seine Wohnung bauen. H. Wagner.
114. Der Schwalben Kansyatt.
1. Mutter, Mutter, uns're Schwalben! Sieh doch selber, Mutter,sieh! Junge haben sie bekommen und die Alten füttern sie.
2. Als die lieben, kleinen Schwalben wundervoll ihr Nest gebaut,hab ich stundenlang am Fenster heimlich ihnen zugeschaut.