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nicht recht; je mehr es damit vorwärts ging, desto mehr schimpften siedarüber. Die St. Qaller hatten auch allen Grund dazu. Sie sagten, wennder Abt die Gebeine des hi. Gailus ins neue Kloster überführen lasse,so würden die Leute dorthin und nicht mehr nach St. Gallen wallfahren.Dann aber sei es mit dem Wohlstand der Stadt vorbei; denn die Wirte,Handwerker und Krämer würden nichts mehr verdienen. Die Appenzelier,die es überhaupt nicht gerne sahen, dass das Kloster wieder reich undMächtig wurde, meinten, der Abt werde ihnen von Rorschach aus dieRheintaler abspenstig machen. Und die Untertanen fürchteten, dass siefür den Klosterbau neue Steuern bezahlen müssten, und sie hatten schonan den alten genug. Da wurden der St. Galler Bürgermeister und derAppenzelier Landammann beim Abte vorstellig und verlangten von Ihm,dass er den Klosterbau in Rorschach einstelle und was schon gebaut sei,abtragen lasse. Der Abt antwortete, dass er auf seinem Gebiet bauendürfe, wo es ihm beliebe, und er schlug die Forderung ab. Da schrittendie St. Galler und Appenzelier zu einer Gewalttat, die im stillen längstvorbereitet war.
Am 28. Juli 1489 sammelten sich in Grub über zweitausend Mannaus der Stadt, dem Appenzellerland und dem Rheintal; gegen Mittagrückten sie über den Rorschacherberg herunter und fielen mit dem Rufe:.Wohlauf, tut dem hl. Gailus ein Ehrentagewerk* — über das Klosterher. Der Bau war schon nahezu vollendet, die Kapelle schon geweiht,das Wohnhaus der Brüder mit Hausrat und die Ställe mit Futter gefülltNun wurde alles zerstört. Die Altäre wurden zerschlagen, die Heiligen-bilder mit Spiessen durchstossen, die Glocken heruntergeholt, die Mauernniedergerissen, alles Hausgeräte und Geschirr auf Wagen geladen undschliesslich alles Holzwerk in Brand gesteckt. In ein paar Stunden wardas Zerstörungswerk getan; vorn Klosterbau war nur noch ein Trümmer-haufen übrig. Dann zogen die Leute pfeifend und johlend wie Siegervon einem Schlachtfeld ab, und die Rädelsführer prahlten, wenn der„rote Ulf das Kloster noch einmal aufbaue, so würden sie es wiederzerstören. Einige Wochen später fielen auch die Gotteshausleute offenvorn Abte ab und schlössen mit den St. Gallern und Appenzellern einenBund.
Der St. Gallerkrieg. Diese Gewalttat hatte böse Folgen. Der Abtritt selber nach Zürich und Luzern, Schwyz und Glarus und verlangtevon den Schirmorten, dass sie ihm zu seinem Recht verhelfen. Diesuchten zuerst, den Handel zu schlichten, aber alle Vermittlungsversuchewaren vergeblich. Da kam es zum Kriege. Achttausend Eidgenossen ausallen acnt Orten ausser Bern rückten am Lichtmesstag 1490 ins Fürstenlandein. Die St. Galler, Appenzelier und Gotteshausleute hatten ebensoviel