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Bündner Lesebuch : 7. Schuljahr / hrsg. vom Kleinen Rat ; besorgt von der Redaktions- und Illustrations-Kommission ; ill. von Rudolf Münger
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O, dieses Wort! Das war ja, was ihm schon seit vielenWochen voraus gewesen wie ein drohendes Unglück! Inmancher Nacht war er im Stüblein aufgewacht. Da hatteer im matten Schimmer des Fensters die Mutter gesehen,halbaufgerichtet im Bette; der böse Husten war wieder ansie gekommen. Schwer atmend hatte sie geseufzt.

Da hatte der Ruedeli gerufen: Mutter, bist du krank?Nein, es ist nichts, Kind, schlaf du!

Und nun schon so manche Nacht, seit vielen Wochen.

Aber die Mutter hatte nicht Zeit gehabt zum Kranksein:sie muhte ihrem Büblein Strümpfe stricken und Hösleinflicken. Und jetzt war es doch gekommen; der Doktor hattees gesagt.

Wie der Ruedeli sich erhob, da hörte er durch die offeneTüre aus dem Stübli ein verhaltenes Schluchzen, dazwischenein tröstendes Zureden.

Ruedeli hielt den Atem an.

Da drinnen hörte er reden; es war die Stimme derKatharinabas, die war aus dem Dörflein zu der Muttergekommen: die hatte wohl den Doktor gebracht. Mit zagemSchritt wollte er über die Schwelle treten; da vernahm erwieder das Schluchzen. Und jetzt, da er den leisen Fuß schonin die Stube getan, fiel sein Blick durch die halboffene Türeauf das Bett der Mutter. Sie hatte sich emporgerichtet, denBlick der Wand zugekehrt, wie um die Tränen zu verbergen.

War das seine Mutter? Die Wangen eingefallen, ohneFarbe und Leben, die Augen in tiefen, dunklen Höhlen unddie Lippen so bleich! Das hatte er nie gesehen und hatte dochjeden Tag am Tisch ihr gegenüber gesessen. Ihm war's, eineschwere, kalte Hand hielte ihn zurück. Jetzt vor die Muttergehen, o, das konnte er ja nicht, er müßte weinen, weinen,niederfallen an ihrem Bette: es mühte ihr ja das Herzbrechen.