Buch 
Bündner Lesebuch : 7. Schuljahr / hrsg. vom Kleinen Rat ; besorgt von der Redaktions- und Illustrations-Kommission ; ill. von Rudolf Münger
Entstehung
Seite
139
JPEG-Download
 

139

betrübten Umstände und sagte:Es geht in meinem Hausenicht mit rechten Dingen her. Wißt Ihr kein Mittel, demÜbel abzuhelfen?"

Der Einsiedler, ein fröhlicher Greis, hieß sie ein wenigwarten, ging in die Nebenkammer seiner Zelle, brachte übereine Weile ein kleines, versiegeltes Kästchen und sprach:Dieses Kästlein müßt Ihr ein Jahr lang früh morgens,mittags und abends in Küche, Keller, Stallungen und allenWinkeln des Hauses herumtragen, dann wird es bessergehen. Bringt mir aber übers Jahr das Kästlein wiederzurück!"

Die gute Hausmutter setzte in das Kästchen ein großesVertrauen und trug es fleißig umher. Als sie den nächstenTag in den Keller ging, wollte der Knecht eben einen KrugBier heimlich heraustragen. Als sie noch spät bei Nacht indie Küche kam, hatten die Mägde sich einen Eierkuchengemacht. Als sie die Stallungen durchwanderte, standen dieKühe tief im Kot, und die Pferde hatten anstatt des Hafersnur Heu vor sich und waren nicht gestriegelt. So hatte siealle Tage einen andern Fehler abzustellen.

Nachdem das Jahr vorüber war, ging sie mit dem Käst-chen zum Einsiedler und sagte vergnügt:Alles geht nunbesser. Laßt mir das Kästlein noch ein Jahr; es enthält eingar treffliches Mittel."

Da lachte der Einsiedler und sprach:Das Kästchen kannich Euch nicht lassen: das Mittel aber, das darin verborgenist, sollt Ihr haben." Er öffnete das Kästchen, und siehe, eswar nichts darin als ein weißes Blättchen Papier, auf demgeschrieben stand:

Soll alles wohl im Hause steh'n,

So mußt du selber wohl nachseh'n.

*

Chr. Schmid.