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3. In der Kirschernte.
Das freute die Bauern, daß die Stare mit den Raupen undKäfern, die ihnen die Äpfel, Birnen, Trauben und Kartoffelnfressen wollten, so gut aufräumten; deshalb hatten sie ihnenauch die Nistkasten an die Bäume befestigt.
Beim Ausflug der zweiten Brüt, im Juli, sind gewöhnlichdie Kirschen reif. „Die süßen Kirschen, wie werden die unsernKindern schmecken!" sagte Frau Star zu Hans.
„Aber unsern Freunden sollten wir keine nehmen“, meinteHans. Neckend sprach die Lisbeth: „Dann mußt du seineBäume schon anzeichnen. Aber du weißt ja selbst nicht, welcheKirschen ihm gehören, und ich habe oft gesehen, daß es auchMenschen gibt, die gerne Kirschen stehlen. Unser Freund kenntseine Bäume vielleicht selber nicht!"
Der selbst nach Kirschen lüsterne Hans meinte zuletzt:„Gefressen müssen wir doch die Kirschen gleichwohl haben,wenn schon Krähen, Amseln und Spatzen die meisten stehlen.Wenn der Bauer schimpft, sagen wir einfach, wir haben nichtgewußt, welche Kirschen ihm gehören!“
Damit suchte Hans sein Gewissen zu beruhigen. Und flugsfiel die ganze Schar über einen Kirschbaum her,
„Sogar noch besser als eine Raupe schmecken die Kirschen!"sagten die Starenkinder. „Ja, aber der Stein in der Mitteschmeckt schlecht!“ rief eines. „Ha, Ha“, lachte die Mutter, „denfrißt man nicht; ihr müßt das Fleisch schön ringsum abpicken!"So schmausten sie von einem Kirschbaume zum andern. Amandern Tage waren auf vielen Kirschbäumen Vogelscheuchenzu sehen; eine Zeitlang mieden sie die Bäume. Als sie abermerkten, daß die Scheuchen ungefährlich waren, kamen sie wieder.Da stand auf einmal ein Bauer mit einem langen Stocke, legtediesen an die Wange und ein Donnerknall fuhr hinaus, daßalle Stare erschrocken davonflogen. Kaum hatten sie auf demnächsten Baume die vierte Kirsche abgeschält, da krachte esunten wieder, und Lisbeth mit noch sieben Kindern fielen tot zurErde.
„Jetzt sind mir die Kirschen verleidet", sprach Hans zuseinem einzigen übriggebliebenen Sohne.