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nützliches Arzneigewächs und heilbringende Wurzeln. BeimBaumgarten war ein großer Raum abgeteilt für wild Getierund Gevögel, wie solches teils in den nahen Alpen hauste, teilsals Geschenk fremder Gäste dem Garten verehrt war.
Auf einem Apfelbaum saß ein dienender Bruder, pflücktedie Apfel und sammelte sie in Körbe. Wie sich die Herzoginzum Schatten der Bäume wandte, wollte er niedersteigen, abersie winkte ihm, zu bleiben. Jetzt ertönte es wie Gesang zarterKnabenstimmen, die Zöglinge der Klosterschule kamen heran,der Herzogin ihre Huldigung zu bringen, blutjunge Bürschlein,trugen sie bereits die Kutte, und mancher hatte die Tonsur aus'selfjährige Haupt geschoren. Wie sie aber daherzogen, geführtvon ihren Lehrern, den Blick zur Erde niedergeschlagen, undwie sie so ernst ihre Weisen sangen, da stieß Frau Hadwig dennahestehenden Korb um, daß die Apfel lustig unter den Zugrollten. Aber unbeirrt zogen die Schüler des Weges, nur derKleinste wollte sich bücken nach der verlockenden Frucht, dochstreng hielt ihn sein Nebenmännlein am Gürtel.
Den Kreuzgang entlang wandelnd, kam Frau Hadwig aneinem Gelaß vorüber, deß Türe war offen. An kahler Wandstand eine niedere Säule, von der in halber Manneshöhe eineKette niederhing. Über dem Portal war in verblaßten Farbeneine Gestalt gemalt, sie hielt in magern Fingern eine Rute. Wender Herr lieb hat, den züchtiget er, war in großen Buchstabendarunter geschrieben.
Frau Hadwig warf dem Abt einen fragenden Blick zu.
„Die Geißelkammer", sprach er.
„Ist keiner der Brüder zur Zeit einer Strafe verfallen",fragte sie, „es möcht ein lehrreich Beispiel sein." Aber der Abtdrängte, daß sie vorllberkamen.
Seine Prunkgemächer waren mit Blumen geschmückt. FrauHadwig warf sich in den Lehnstuhl, um auszuruhen. Indessensaß der graue Tutilo aus seiner Zelle. Ihm war es beim Empfangder Herzogin schwer aufs Herz gefallen, daß der linke Ärmelseiner Kutte mit einem Loch geschmückt war; sonst wär's wohlbis zum nächsten Festtag ungeflickt geblieben, jetzt galt keinVerzug, mit Nadel und Zwirn gewasfnet, saß er aus dem Schrä-gen und besserte den Schaden. Und weil er gerade im Zug war,