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sich besann, daß er ja noch höchstens zehn Minuten zu gehen brauche,um die Seinigen zu sehen. Doch wie er sich wandte und den Fußansetzte, siel ihm eine Hand auf die Schulter, und eine Stimme fragte:„Ist das nicht der Martin Salander?"
Er war es wirklich; denn er kehrte sich wie der Blitz um, da erauf dem heimischen Boden zum ersten Male seinen Namen hörte undnun auch das erste bekannte Gesicht erblickte.
3. E in Begräbnis.
. . . Nach Versluß von drei Tagen ließ Jakob Weidelich die Leichebegraben. Von den nicht zahlreichen Verwandten fand sich nur derkleinere Teil am Leichenbegleite ein; die andern entschuldigten sich.Martin Salander, den der Witwer benachrichtigt, aber nicht ausdrücklicheingeladen, erschien schwarz gekleidet im Hause unter dem Häufchensonstiger schlichter Männer aus Jakobs Bekanntschaft, die ihm den Dienstnicht versagten. Es tat dem armen Mann offenbar wohl in der pein-lichen Stille, die in der Trauerstube herrschte. Vor dem Hause dagegensammelte sich eine gute Zahl ernsterLeute der Umgegend, welche dem schwarzbehangenen Sarge folgten, der auf den Friedhof hinausgetragen wurde.
Es war ein unruhiger Tag im Spätherbste. Bald schien die Sonneauf Wiesen und Gärten, bald jagte der Wind fliegende Wolken überden Himmel und ihre Schatten über die Wege, welche der Trauerzuglangsam beschritt, dem von acht Männern getragenen Sarg voran. Überdie Bahre und die Köpfe der Leidtragenden hinweg wehte der Windaußerdem das von den Bäumen gerissene, abgestorbene Laub, und diegelben Blätter raschelten und tanzten auf dem Wege so hurtig voraus,wie wenn sie Leben und große Eile hätten, den Heimgang einer Seeleanzusagen.
Auf dein Friedhofe ruhte die Sonne und flimmerte in unbestrittenemGlänze auf den Hunderten von Glas-, Flitter- und Blechkränzen, mitdenen der verirrte Geschmack die Denkmäler der Verstorbenen behing,aus der gleichen Eitelkeit, welche Wochen und vierzehn Tage hindurchdie öffentlichen Blätter erst mit der Todesanzeige und dann mit derDanksagung für erfahrene rühmliche Teilnahme anfüllt. Das wärealles so recht im Sinne der armen Amalie Weidelich in ihrer gutenZeit gewesen; nun war sie der Torheit enthoben und ging den letztenGang in einen: besseren und höheren Stile.