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Chur Luzius den Martertod für ihren Glauben. Trotz der grau-samen Verfolgung breitete sich das Christentum in Helvetien immerweiter aus.
3. Helvetien unter der Herrschaft der Franken.
_ Nachdem Helvetien über 400 Jahre unter der römischen Herr-schaft gestanden hatte, stürmten kurz nach einander vier deutscheVölker heran und besetzten unser Land. Im Nordosten ließen sichdie Alemannen nieder, im Westen die Burgunder, im Süd-osten die Ostgoten und südlich des Gotthard die Langobarden.Mit Ausnahme der Alemannen, die ihr deutsches Wesen beibehielten,nahmen diese Völker mit der Zeit die Sprache und Lebensweise derUnterworfenen an. Zufolge dieser Ereignisse spricht man heute inder Schweiz vier Sprachen. Welche?
^ Wenige Jahre später wurden die genannten Völker von denv a 11 k e n, die im jetzigen Frankreich wohnten, unterworfen. Da-durch geriet Helvetien unter die fränkische Herrschaft.
Gleich im Anfang derselben erschienen fremde Glaubensbotenin Helvetien. Die bekanntesten sind Kolumban, Gallus, Sig-dert und Fridolin. Mit großem Eifer verkündeten und be-festigten sie die christliche Lehre, stifteten Klöster und errichteten darinSchulen. Auch lehrten sie das Volk den Garten- und Feldbau.Sigbert stiftete das Kloster Disentis im Vorderrheinthal, undda, wo Gallus seine einsame Zelle hatte, erhoben sich später Klosterund Stadt St. Gallen. Während Fridolin im Glarnerlandthätig war, soll der heilige Beatus im Werner Oberland dasChristentum verkündet haben. An ihn erinnert noch jetzt die Bea-tushöhle am Thunersee.
Das Frankenreich gelangte zur höchsten Blüte unter Karldem Großen, der 768 den Thron bestieg. Während seiner 46-jährigen Regierung unterwarf dieser vortreffliche Kaiser mehrereheidnische Völker und führte bei ihnen das Christentum ein. Da-neben förderte er den Acker-, Obst- und Weinbau, Gewerbe undHandel. Vor allem war er bestrebt, das Volk geistig und sittlichZu heben und zu bilden. Deswegen ließ er im ganzen Reiche, be-sonders in den Klöstern und Domstiften, Schulen gründen und gebot,daß die Jugend im Schreiben, Lesen und Rechnen, sowie in der Re-ligion unterrichtet werde.
Karls Fürsorge erstreckte sich auch auf Helvetien. Zur bessernRegierung teilte er das Land in Gaue ein. Die bedeutendsten warenRätien, Thurgan, Zürichgau, Aargau, Frickgau, Sis-