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zu unterwerfen. Als ihm dies nicht gelang, sandte er österreichischeVögte in ihr Land. Diese sollten das Volk auf jede Art quälen,damit es zuletzt froh wäre, sich unter den Schlitz Österreichs zu be-geben. Die Vögte hießen Beringer von Landenberg undHermann G e ß l e r von B r u n e ck. Der erstere nahm seinenSitz in Sarnen, der letztere in Altdorf. Ein Untervogt,Wolfenschieß mit Namen, bezog die Burg auf dem Rotzberg,und ein anderer Untervogt hauste auf der Insel S ch w a n a uim Lowerzersee. All diese Vögte drückten nun das harmlose Hirten-volk mit fast unerschwinglichen Abgaben, bestraften die geringstenVergehen übermäßig hart und verübten grausame, schändliche Thaten.
Geßler ließ in Uri ein festes Schloß bauen, Zwing-Urigeheißen. Dabei mußten die Leute harte Frondienste thun. Indiese Burg wollte er die Gegner Österreichs einsperren; ihm selbstaber sollte sie Schutz gewähren gegen das erbitterte Volk. Demallgemein geachteten Werner Stauffacher von Steinen machteer Unheil verkündende Vorwürfe, weil er ohne seine Einwilligungein neues Haus gebaut hatte.
Landenberg bestrafte den Arnold von Melchthal, denSohn des rechtschaffenen Heinrich an der Halden, eines ge-ringen Vergehens wegen um ein Paar Ochsen. Eben pflügten Vaterund Sohn auf dem Felde, als Knechte des Vogtes kamen, um dieOchsen zu holen. Beim Losbinden derselben sagten die Knechtespöttisch: „Wenn die Bauern Brot essen wollen, sollen sie den Pflugselber ziehen!" Darüber ergrimmt, schlug Arnold einem der Knechteeinen Finger entzwei und floh dann vor der Rache des Vogtes zuWalter Fürst in Uri. Dafür ließ der grausame Landenberg demschon betagten Vater Arnolds das ganze Vermögen wegnehmen undbeide Augen ausstechen.
8. Die Befreiung des Landes.
Die Gewaltthaten der Vögte empörten das Volk; jedermannsann aus Rettung des Landes. Den Anfang dazu machten dreiwackere Männer: Walter Fürst von Uri, Werner Stauf-facher aus Schwyz und Arnold von Melchthal aus Unter-walden. Dieselben veranstalteten auf Mitternacht des 7. Winter-monats 1307 auf dem Rütli eine Zusammenkunft von 33 be-herzten Männern aus den drei Waldstätten. Dort beschloß man,am Neujahrstage 1308 die ruchlosen Vögte aus dem Lande zu jagenund die alte Freiheit wieder herzustellen.