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Lesebuch für die obern Klassen (6., 7. und 8. Schuljahr) der Primarschulen des Kantons Solothurn
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B. HeldenM. bis 1519.

6. Der Bund der drei Waldstättc.

Mit der Zunahme der Bewohner in den ebenen Teilen unseresLandes ließen sich allmählich auch Ansiedler in den noch wildenThälern von Uri, Schwyz und Unterwalden nieder. IhreZahl wurde immer größer. Still weideten sie ihre Herden undführten ein friedliches Dasein. Nach und nach erwarben sie ver-schiedene Rechte und Freiheiten, die von deutschen Königen bestätigtwurden. Mit der Zeit drohte jedoch den Waldstätren große Gefahr.Die mächtig aufstrebenden Grafen von Habsburg wollten nämlichderen Freiheiten nicht anerkennen, sondern betrachteten die Bewohnerder drei Länder als Angehörige des Zürichgaus. Als königliche Statt-halter desselben wollten sie auch über die Waldstätte herrschen. Kräftigund entschlossen wehrten sich aber deren freiheitsliebende Bewohnerfür ihre erworbenen Rechte.

Besonders bedenklich wurde ihre Lage zur Zeit Rudolfs.Derselbe wollte die Freiheiten der drei Länder nicht gelten lassen,sondern behandelte diese als Glieder der Grafschaft Zürich. DaRudolf auch deutscher König war, konnten die Waldstätte nirgendsihre Klagen anbringen, sondern mußten sich in ihr Schicksal fügen.Indessen regierte Rudolf ziemlich milde. Er ließ den Waldstückendas Recht, Landsgemeinden zu halten und ihre Angelegenheiten selbstzu ordnen. Dagegen wählte er die Landammänner und die übrigenVorsteher.

So standen die Verhältnisse, als König Rudolf 1291 plötzlichstarb. Da die Waldstätte von dessen Sohn Albrecht, der hoffte,auf den deutschen Königsthron zu gelangen, noch Schlimmeresbefürchteten, traten deren Abgeordnete am l. August 1291 in Brun-n e n zusammen und schlössen einen ewigen Bund. Dabei ge-lobten sie, mit Gut und Blut für ihre Freiheit und Selbständigkeiteinzustehen und in jeder 9iot und Gefahr einander mit Rat undThat Hilfe zu leisten.

7. Die Landvögtc.

Die Befürchtungen der Waldstätte waren begründet. Als späterder österreichische Herzog Albrecht den deutschen Königsthron be-stiegen hatte, wollte er die drei Länder gänzlich seinem Familien-besitze einverleiben.

Zuerst versuchte er durch freundliche Worte und glänzendeVersprechen die Waldstütte zu bewegen, sich freiwillig seinem Hause