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Lesebuch für die obern Klassen (6., 7. und 8. Schuljahr) der Primarschulen des Kantons Solothurn
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Herzog Leopold III. von Österreich kam in den Aargau undsammelte in Baden ein starkes, wohlbewaffnetes Ritterheer. Inaller Stille marschierte er dann den Aargau hinauf gegen Sempach,um von dort nach Luzern zu ziehen und diese Stadt anzugreifen.Zum Glücke hatten die Eidgenossen rechtzeitig die Absicht des Feindeserfahren. Schnell eilten sie, 1600 Mann stark, nach Sempachund besetzten dort einen bewaldeten Hügel. Feierlich gelobten sie, mitGut und Blut für das teure Vaterland einzustehen.

Am 9. Juli 1386 langte das feindliche Heer vor Sempachan und machte beim Anblick der Eidgenossen Halt. Weil der Bodenuneben und durchfurcht war, stiegen die Reisigen ab, um zu Fußzu kämpfen.

Es war um die heiße Mittagszeit, als sich die Eidgenossennach verrichtetem Schlachtgebet auf den Feind warfen. Sie suchtendurch einen kräftigen Anprall in denselben einzudringen, doch ver-gebens. Wie eine Eisenmauer stand vor ihnen Panzer an Panzer,Schild an Schild, und ein Wald von Spießen starrte ihnen drohendentgegen. Schon lagen 60 Eidgenossen sterbend am Boden, und nochwar kein Österreicher gefallen. Bereits singen die Feinde an, einenHalbkreis zu bilden, um die Eidgenossen einzuschließen und zu er-drücken. In dieser Not trat die große Heldengestalt des ArnoldWinkelried aus der Reihe seiner Kampfgenossen hervor und rief:Eidgenossen, ich will euch eine Gasse machen; sorget für meinWeib und meine Kinder!" Mit diesen Worten umfaßte er eineAnzahl feindlicher Spieße und drückte sie im Fälle zu Boden. Da-durch entstand in den österreichischen Reihen eine Lücke. Nasch undmit unwiderstehlicher Gewalt drangen nun die Eidgenossen in die-selbe ein, und furchtbar hausten sie jetzt mit ihren kurzen Schlag-waffen unter den schwer gepanzerten Feinden. Der heftige Kampfendete mit einer vollständigen Niederlage der Österreicher. Unter denvielen Toten befand sich auch Herzog Leopold mit der Blüte seinerRitterschaft. Aber auch die siegreichen Eidgenossen betrauerten denVerlust vieler tapfern Mitbürger. Besonders schmerzte sie der An-blick der Leiche Winkelrieds. Mehrere der aufgefangenen Spieße warendem Helden durch die Brust gedrungen. Durch seine hochherzige Auf-opferung hatte er das Vaterland gerettet.

Ihm zu Ehren hat man die Winkelriedstiftung, dievor mehren: Jahren ins Leben gerufen wurde, nach seinemNamen benannt. Dieselbe besitzt jetzt ein Vermögen von über einerMillion Franken und hat den Zweck, für den im Kriegsdiensteverunglückten schweizerischen Wehrmann oder seine Hinterlassenen zusorgen.