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ließen sie in G i o r n i c o zum Schutze des wiedereroberten Livinen-thales 600 Mann zurück.
Nun hofften die Mailänder, das kleine Häuflein Schweizerleicht überwältigen zu können, und rückten mit lO'OOO Mannheran. , Es war im Winter 1478. Die Eidgenossen stauten diedortigen Zuflüsse des Tessin und überschwemmten Straße und Feld.Am Morgen fanden die Feinde eine weite Eisfläche vor sich. Nurmit großer Mühe konnten sie auf derselben vorwärtskommen. DieEidgenossen hingegen hatten sich mit Fußeisen versehen. Unter derLeitung des kriegsmutigen Hauptmanns F r i s ch h a n s T h e i-l i n g von Luzern stürmten sie sicheren Schrittes auf den Gegnerlos. Viele derselben glitten aus und erlagen wehrlos den Streichender Eidgenossen. Die übrigen wichen zurück, bis sie wieder festenFuß fassen konnten. Doch jetzt war sowohl unter der Reiterei, alsdem Fußvolk die Unordnung so groß, daß an Widerstand nicht mehrzu denken war. Alles löste sich in Flucht auf. So geschah dasfast Unglaubliche: 600 Schweizer besiegten lO'OOO Mailänder. In-folge davon mußte der Herzog von Mailand mit den EidgenossenFrieden schließen und ihnen für immer das Livinenthal abtreten.
22. Die Tagsatznng zu Staus.
Nach dem Burgunderkrieg waren die Eidgenossen nach außenein geachtetes Volk; im Innern dagegen herrschte Hader undZwietracht. Der Grund davon war die reiche Burgunderbeute, dieman nicht friedlich teilen konnte. Gleichzeitig wünschten Freiburgund Solothurn, die im Burgunderkriege wacker an der Seite derEidgenossen gekämpst hatten, Aufnahme in den Schweizerbund. DieStädtekantone wollten dieselben aufnehmen, die Länderkantone hin-gegen nicht, weil sie das Übergewicht der Städte fürchteten. ZurBeilegung des Streites trat 1481 in Stans die Tagsatzung zu-sammen. Doch statt sich zu verständigen, überhäuften sich die Ab-geordneten der Länder und Städte gegenseitig mit Vorwürfen; dieZwietracht wurde immer größer. Schon war man im Begriffe,haßerfüllt auseinander zu gehen, und wer weiß, was daraus er-folgt wäre?
Da eilte der wackere Pfarrer Heinrich I m g r u n d vonStans zum berühmten „Bruder Klaus". Letzterer war einMann aus llnterwalden und hieß eigentlich Niklaus Leuenbrugger.Von seinem Gute „Flüele" erhielt er den Namen Niklaus vonder Flüe. Schon als Knabe zeichnete er sich durch Freundlich-keit, Friedfertigkeit und Wahrheitsliebe aus. Zum Manne herange-