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Lesebuch für die obern Klassen (6., 7. und 8. Schuljahr) der Primarschulen des Kantons Solothurn
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I

C. Innere Kampfe und Untergang der altenEidgenossenschaft» bis 1798.

27. Die Reformation.

Im Laufe^ der Zeiten verloren viele Schweizer den Sinn fürfriedliche Beschäftigung. Anstatt auf den Alpen ihre Herden zu wei-den oder im Thal das Feld zu bebauen, traten sie um einen geringenSold in fremde Kriegsdienste. Nicht selten ließen leichtsinnige Söhner ihre armen Eltern im Stiche, um ihrer Meinung nach in den Heerenbenachbarter Länder ein lustiges Leben zu führen. Fremde Fürstenentrichteten an einflußreiche Personen in den einzelnen Kantonen großeJahrgelder, damit sie dasReislaufen" begünstigten. Doch nurwenige Söldner machten in den fremden Kriegsdiensten ihr Glück.Die meisten verloren entweder ihr Leben oder kehrten später als»Krüppel und brotlose Leute wieder heim. Gewöhnlich waren dieselbenan den Müßigang oder an andere Laster gewöhnt.

In solcher Weise trugen die fremden Kriegsdienste viel zumSittenverderbnis des Schweizervolkes bei. Daher bekämpfte UlrichZwingli, Pfarrer in Zürich, die Lohnkriege, indem er deren( schlimme Folgen, die er persönlich in den italienischen Feldzügen kennengelernt hatte, darstellte.

Im Jahre 1519 fing er an, auch einzelne Lehren und Ein-richtungen der Kirche anzugreifen. Da er dieselben in der hl.Schrift nicht begründet glaubte, betrachtete er sie als Mißbräuche undbekämpfte sie ebenso heftig wie das Reislaufen und die Jahrgelder.Er selber stellte nur das als Glaubenslehre auf, was er meinte,aus der Bibel beweisen zu können. Man nennt seine Neuerungenim kirchlichst Leben Reformation.

Allmählich brachte es Zwingli dahin, daß überall im KantonZürich der katholische Gottesdienst abgeschafft und an dessen Stelleder reformierte eingeführt wurde. Bon Zürich aus verbreitete sich, die neue Lehre nach Bern, Basel, Schaffhausen, St. Gallen, Appen-zell, Glarus und Graubünden. In Luzern, Zug und den drei Wald-stätten dagegen hielt das Volk am alten Glauben fest.

28. Die beiden Kappelerkricgc.

Nach und nach entstand zwischen den Alt- und Nengläubigenein tiefer Haß. Gegenseitige Schmähungen und die Hinrichtung vonAndersgläubigen machten die Kluft noch größer. Ein Krieg schien