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Der Ausbreitung der Pflanzen dient, absichtlich oder ohnedaß er es weiß, auch der Mensch. Aus Amerika hat er dieKartoffel, aus Asien die Weinrebe nach Europa verpflanzt. Mitden Zigeunern ist der Stechapfel aus dem Morgenlande zu unsgekommen. Wo der Älpler seine Sennhütte aufschlägt, da stelltsich auch die Brennessel ein, und den Pußstapfen des Ansiedlersim fernen Westen folgt der Wegerich.
2. Das Keimen der Pflanzen,
In einem gesunden Samenkorne ist das künftige Pflänzchenbereits vorgebildet und heißt Keimling. Diesem Keimling hatdie Mutterpflanze in vorsorglicher Weise einen kleinen Speise-vorrat beigepackt: Kerneiweiß und Samenlappen. Im
lockern, feuchten und vonder Sonne durchwärmtenErdreich schwillt derSame an. Es regt sichder Keimling und trinktvorn süßen Saft, der ausdenaufgeweichtenSpeise-vorräten bereitet wird.Er wird größer undstärker, entsendet nachunten das Würzelclien,nach oben die Blättchen.Jenes sucht im Bodennach löslichen Nährstof-fen; diese saugen Luftund Sonnenlicht ein, umdamit die aufgenommeneBodenfeuchtigkeit inPflanzennahrung umzu-wandeln. Bevor die Mit-gäbe der Mutterpflanzeganz aufgezehrt ist, hatder Keimling sich zurDas Keimen der Gartenbohne. «efbständis-en rängen
k Keimblätter, w Würzelchen. f Blättchen. ® ^ ®
n Nabelfleck, b Blätter, g Gipfelknospe. Pflanze entwickelt. Die-sen merkwürdigen Vorgang nennt man das Keimen.
Nicht alle Pflanzen keimen in gleicher Weise. Die Garten-bohne keimt anders als das Weizenkorn, der Föhrensame andersals das Keimkorn des Farnkrautes.