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Lesebuch für das fünfte Schuljahr der Primarschulen des Kantons St. Gallen / nach Vorl. der kantonalen Lehrmittelkommission hrsg. vom Erziehungsrate
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Bettler von der Heide zu seinem Bett, zeigt ihm lächelndden Mantelteil, zeigt ihm die Nägelwunden an den Händenund zeigt ihm sein Angesicht, das nicht mehr alt und kum-mervoll ist, das strahlet wie die Sonne. Derselbe Bettel-mann auf der Heide ist der liebe Gott selber gewesen,

Idda von Toggenburg.

Thuraufwärts vorn Bodensee liegt die Toggenburg, deruralte Stammsitz der nach ihr genannten Grafen. Darin-nen wohnte eine fromme Gräfin, Idda geheissen, aus demStamme derer von Kirchberg.

Da geschah es eines Tages, dass sie ihren Brautringin das offene Fenster legte, und die Sonne schien darauf,dass er hell blitzte. Ein Rabe sah den Ring, schoss daher,erfasste ihn mit seinem Schnabel und trug ihn fort in seinNest. Wohl vermisste die Gräfin ihren Ring; doch fürch-tete sie den Zorn ihres heftigen Gemahls, wenn sie ihmden Verlust melde, und daher schwieg sie.

Nach einiger Zeit fand ein Diener des Grafen imWalde des Raben Nest und in dem Nest den Ring der

Herrin. Ohne dass er es wusste, wem der Ring gehörte, j

steckte er ihn an seinen Finger und trug ihn sonder Scheu.

Da sah und erkannte der Graf seiner Gemahlin Ring,den er ihr selbst gegeben, am Finger des Knechtes. Erglaubte sie treulos, liess alsbald den unschuldigen jungenGesellen am Schweif eines wilden Pferdes den felsigenBurgweg hinab zu Tode schleifen und warf die ebensounschuldige Gemahlin vorn Söller des Palastes hinab inden waldigen Felsenabgrund.

Aber Engel schirmten die Unschuld; sanft sank Idda,von unsichtbaren Händen getragen, durch schützendes Ge-zweig auf weiches Moos. Inbrünstig dankte sie Gott undallen Heiligen für ihre wunderbare Rettung und wandelteweit von der Burg hinweg in eine unwegsame Wildnis.