Buch 
Lehr- und Lesebuch für das achte Schuljahr der Primarschulen des Kantons St. Gallen / nach Vorlage der kantonalen Lehrmittelkommission hrsg. vom Erziehungsrat des Kantons St. Gallen
Entstehung
Seite
16
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schaft zwischen Warschau und Wien ein Zehnkopekenstück gespen-det habe.

Hurtig, frisch, meine Jungen; es ist mir ernst! rief derGeigerfranz den beiden Bärentreibern zu, die gar nicht wussten,wie ihnen geschah.Gleich gehts los. Sander führt den Bären;Janos schlägt den Wirbel, aber immer nur ganz pianissimo; derPetz tanzt, und ich will geigen, dass alles daran seine Freudehaben soll.

Er packte die Geige aus dem Kästchen, stimmte, und dasSpiel begann. Meister Petz schien durch die ungewohnte, heitereMusik neue Jugendkraft gewonnen zu haben. Er tanzte so schönund kräftig, machte so lustige Sprünge und Kapriolen, dass seihstJanos und Sandor über den alten Burschen hellauf lachen mussten.Fort ging es von Gasse zu Gasse. Man merkte bald, dass man indem Geiger einen Künstler vor sich hatte. Deshalb wurde diehlecherne Büchse, in welche die Gulden- und Halbguldenstücke nurso flogen, immer schwerer. Alles freute sich der Tat des edlenMannes. Nach einer Stunde sprach der Geigerfranz:So, Kame-raden, ich glaube, es tuts. Dann packte er die Geige wieder indas Kästchen, das ihm des Weissgerbers Karl bereitwillig nach-getragen hatte, las sich aus der Büchse seine fünfzehn Guldenachtzehn Kreuzer heraus und übergab den ansehnlichen Rest denbeiden Bärentreibern.

Guter Herr, schluchzte Janos,hoben orme TeufelNichts, nichts da, wehrte der Geigerfranz alle Dankesbezeu-gungen ab und trat hinein in denRaben, wo der Diener der Ge-rechtigkeit bereits beim zweiten Schoppen sass.

Die Sache ist in Ordnung. Behaltet das Geld, und da istnoch ein Gulden für den Heimweg. Grüsst mir den Kronenwirtin Binsheim und sagt ihm, ein andermal könnte es ihm schon ge-schehen, dass er einen Bären ins Futter nehmen mtisste, nament-lich, wenn er gegen arme, ehrliche, kranke Leute nicht nach-sichtiger sei.

Er trank seinen Wein aus und verabschiedete sich; denn erwollte in der Kühle des Frühlingsabends noch das nächste Dorferreichen.

Als Janos und Sandor den geretteten Petz in den Stallgebracht und zum ersten Mal seit langer Zeit mit reichlichemFutter versorgt hatten, traten auch sie in die Stube, wo derRaben wirt sie so freundlich aufnahm, als wären sie die vor-