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setzten sich der Gerber und seine Hausfrau des Nachmittags anden Tisch, um ihren Kaffee zu trinken. Aber als die Gerberindie Tischlade herauszog, war kein Wecken zum Einbrocken darin.Ihr kleiner Wilhelm, der neben ihr auf den Zehen stand und auchhineinschaute, rief sogleich: „Mutter, gib mir Geld! ich hole dasBrot.“
Dann sagte er zum Vater: „Heute aber laufe ich nicht langeherum; wenn es beim Torbäcker kein Brot gibt, geh’ ich wiedereinmal zu dem Heirn Baten hinüber.“
Der Gerber sagte nicht ja und nicht nein darauf und liessden Knaben ziehen. Im ersten Brotladen hatten aber die Weckenschon alle ihre Käufer gefunden, und Wilhelm kam wieder zumTore herein, laut singend, dass es die ganze Gasse hören konnte:„Heut’ geh’ ich zum Herrn Paten!“ Ungehalten über den argenSchreihals, wollte sein Vater ihm wehren. Aber ehe er noch dasverquollene Fenster aufbringen konnte, war der kleine Sängerschon zum Tempel hinein — und kehrte nach einigen Augenblickenals Friedensbote wieder zurück. Statt des Ölzweiges hatte ereinen geschenkten Eierring in der Hand und rief, über die Schwellein die Stube hinein polternd: „Der Herr Pate lässt "Vater und Mutterrecht schön griissen, und ich soll bald wieder kommen.“
Noch an dein nämlichen Abend wechselten die Nachbarsieuteeinige freundliche Worte über die Gasse; am folgenden sassen dieweisse und die gelbe Schürze wieder auf der grünen Bank bei-sammen; am dritten zeigten die Weiber einander die Leinwand, zuder sie in den bösen drei Jahren oft mit ihren Tränen über denunseligen Zwist den Faden genetzt hatten.
Und es war hohe Zeit, dass der Herr den Friedensboten er-weckt hatte; denn einige Wochen darauf verfiel der Bäcker un-erwartet schnell in ein Nervenfieber und aus diesem nach wenigenlichten Augenblicken in den Todesschlummer. Gott gebe ihm einefröhliche Auferstehung! K. Stülier.
14. Benjamin Franklin.
Franklin, der berühmte Erfinder des Blitzableiters, war derjüngste Sohn seiner Eltern und wurde am 17. Januar 1706 zu Bostongeboren. Die Eltern, welche im .Jahre 1682 von England nachNordamerika ausgewandert waren, befanden sich nicht in der Lage,den kleinen, talentvollen Benjamin studieren zu lassen; das Söhnchen