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musste daher seinem Vater beim Seiten sieden mit zur Hand gehen.Doch dem Kleinen behagte dies -wenig, und wiewohl er demväterlichen Befehle sich fügte, so folgte er doch daneben demZuge seines Innern und übte täglich seine Geisteskraft. Da wurdedenn die Frage: Was soll aus dem Knaben werden? öfters imelterlichen Rate aufgeworfen. Der Vater hatte den Plan, ihn zueinem Gelehrten zu machen, selbst ungern aufgegeben. .Er nährtedaher den regen Wissenstrieb, indem er manches schöne Buch in’sHaus schaffte, welches Benjamin in seinen Feierstunden mit allemFleisse benutzte. Aber das Verlangen nach Büchern war in demKnaben zu stark, als dass es der Vater mit seinen Mitteln befriedigenkonnte. Da hiess es denn eines Tages: „Nun, Bücher, soll er haben!Wir wollen ihn zu einem Buchdrucker machen!“ Und so wurdeer im zwölften Lebensjahre zu seinem ältern Bruder Jakob, welcherin Boston Buchdrucker war, in die Lehre gebracht. Bald machteer in der Kunst desselben beträchtliche Fortschritte. Danebenaber versäumte er das Studium der Bücher nicht, und schon zwei,drei Stunden, bevor die gewöhnliche Tagesarbeit begann, sowieoft halbe und ganze Nächte hindurch sass und las und lernte ermit einem solchen Eifer, dass er es bald dahin gebracht hatte,eine kleine Schrift, welche von vielen im Beifall aufgenommenward, selbst zu verfertigen. Einst hatte er in einem Buche gelesen,dass die Nahrung aus dem Pflanzenreiche vorzüglich gesund sei.Von Stund’ an enthielt er sich eine lange Zeit aller Fleischspeisen.Einer seiner Bekannten machte später mit ihm gemeinschaftlichdenselben Versuch in der Selbstüberwindung; aber nicht länger alsdrei Monate vermochte sich dieser zu halten. Alsdann liess ereinen Braten zurichten, zu welchem er Frankliu einlud. Doch dielüsterne Seele wurde von dem Bratengeruche überwältigt, und dasGericht war verzehrt, noch ehe Benjamin ins Zimmer trat. SolcheProben der Selbstbeherrschung hatten für Frankliu noch besonderenNutzen. Da er sich nämlich für Geld selbst beköstigen musste, somachte er bei jener Änderung seiner Lebensweise manche Erparnisseund löschte mit den Sparpfennigee seinen Bücherdurst. Oft sahman ihn, das Buch in der einen Hand, während er mit der andernHand ein Stück Brot zum Munde führte, welches er durch ein GlasWasser dem Magen zugänglicher zu machen wusste. Späterversuchte er sich abermals in der Schriftstellerei, und damit seinBruder, mit dem er etwas gespannt lebte, seine Skripturen druckenmöchte, so schrieb er sie mit verstellter Hand und legte sie des