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Lehr- und Lesebuch für das achte Schuljahr der Primarschulen des Kantons St. Gallen / nach Vorlage der kantonalen Lehrmittelkommission hrsg. vom Erziehungsrat des Kantons St. Gallen
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Bei diesen Blumen ist es auch wie bei manchen Bügeln, die dasEinsperren nicht ertragen können und im Käfig schnell sterben. Stellet soeine Waldpflanze in's Wasserader in die feuchte Erde; es ist Alles gleich;sowie ihr sie aus ihrem lieben Walde wegtragt, fängt sie an zu kränkelnund zu welken, und die Blätter hängen herab, wie wenn einer recht traurigist und die Arme sinken läßt; die Waldpflanzen haben einen viel feinerenBau als die Gartenblumen und sind das Vagabundieren nicht so gewohnt;es zieht sie immer nach der alten Heimat.

Weiter kam td), tiefer im Walde, an einen kleinen See, es ist eigent-lich nur ein Teich; doch mag er ziemlich tief sein, und man darf sich wohlin Acht nehmen, daß man die Wasserbinsen, die ihn an einigen Stellenmit grüner Decke dicht überziehen, nicht für Moos oder Grasboden hältund einen falschen Tritt tut. Die Sonne spiegelte sich aus demselben undschien warm in das Wasser. Welch mannigfaltiges Leben regte sich da!Es ist nicht allein die Wärme der Sonne, die die Tierchen lebendiger,nmnterer macht und an die Oberfläche lockt; das Wasser wird ordentlichkräftiger durch die Sonnenstrahlen, daß es ist, als ob man Wein unterdas Wasser gegossen habe, so lustig geberden sich seine kleinen Bewohner,schwimmen pfeilschnell hin und her, wie kleine Segelschiffchen, die einanderden Rang ablanfen wollen; andere stürzen kopfüber hinab auf den dunkelnGrund und freuen sich an den Sonnenstrahlen, da mag freilich auch einwenig Eitelkei! mitunterlausen warum sollten sie nicht eitel sein?Der Mensch ist es ja auch! in der Sonne blinken ihre Farben vielschöner; da spiegeln sie sich gern in ihrem Glänze. Wie Silbertröpfchenblinkten die kleinen Wasserkäfer und beschrieben schnell wechselnde Kreise.Gleich kleinen Krokodilen, doch leicht und behend, ruderten buntscheckigeWassereidechsen bald quer durch den Teich, bald an dem warmen Wasser-rande hin und suchten die Schnaken, die zierlich über dem Wasser tanzten,an den dünnen Füßchen zu haschen; ein schwarzer Roßegel schlängelte sichunheimlich es fehlte ihm nur die Größe zu einer Wasserschlange --tut§ der Tiefe empor, und ein großer, grüner Frosch saß auf einer Binseund sah mich mit stieren vorliegenden Augen an; als ich ihm aber näherkam plumps! sprang er geräuschvoll ins Wasser, und schnell war schendie ganze lustige Bevölkerung von der Oberfläche verschwunden; nur dieSchnaken tanzten noch ihre Hexentänze, wozu eine Grille hinter einembemoosten Steine nicht weit von dem Teiche ein Liedchen aufzeigte, undzwei Libellen schwirrten, sich verfolgend, um die Gebüsche am Ufer.

Ich zog ein Stück von den Wasserbinsen ans Land! Wie zappelteund wimmelte es da in dem grünen Geflechte von einer Unmasse kleinerGeschöpfe, und dieGeuzen" schnalzten mit den Schwänzchen wie kleine