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Krebse. Arme Tiere! Sie wären bald an der Sonne verschmachtet! Schnellwars ich den ganzen Plunder wieder ins Wasser; es stiegen langsamLnstbläschen in die Höhe und zerplatzten an der Oberfläche. Eine Spinneaber lebt in dem Sumpfe, die fängt solche Luftbläschen auf, zieht sie mitsich in die Tiefe, umspinnt sie da mit feinem Gewebe und lebt darineinsam und stille, wie eine Meerfrau im Krpstallpalast.
Jetzt führte mich meine Wanderung an einen großen Ameisenhaufen;derselbe war am Fuße einer alten Tanne; aber diese hatle ihn doch nichtganz vor dem letzten Platzregen schützen können; er war an einigen Stelleneingesunken, und die Ameisen gaben sich alle Mühe, den Schaden wiedergut zu machen; sie krabbelten lustig herum und trugen Baumaterial zu-sammen; die einen schleppten dürre Tannennadeln, deren genug auf demBoden herumlagen, herbei; andere zogen mit vereinten Kräften an einem langenStückchen Grashalm; zwei brachten die abgefallene Flügeldecke eines totenMaikäfers, in dessen Bauch sie vor Monaten, als er hnlflos auf demBücken lag, eine lustige Mahlzeit gehalten hatten; mehrere waren auchso keck und kletterten am Stamme der Tanne hinauf bis in die Zweige,um kleine Rindenstückchen zu erobern; dies war kein geringes Wagstück;denn aus dem Stamme sickerte an vielen Stellen Harz heraus, das zwarganz herrlich roch; wenn aber so ein schivarzbrauner Abenteurer seinenackten Füßlein hineinbrachte, da hatte er auf einmal Stiefel an, die ernimmer vom Fuße brachte, und er mußte elendiglich sterben. Merkwürdige,fleißige Tierchen, die Ameisen! Ist ihr Stiminchen zu fein, als daß wir eshören können, oder sprechen sie nur mit Zeichen, so ist das gewiß: Werdie Ameisen öfters beobachtet, der sieht auch, wie sie sich untereinanderverständigen, eine oft die andere im Laufe aufhält, um ihr ein Wörtchenzu sagen, eine Botschaft zu hinterbringen, z. B. „Schnell, komm' mit; ichhabe ein fettes Räupchen gefunden; es ist von der Buche dvrt herabgefallen;hilf mir, es geschwind in die Küche tragen, ehe die naseweise Blaumeiseda oben es uns vor der Nase wegfischt," oder: „Ich muß schnell hinabnoch mehr Zimmerleute holen; wir haben einen prächtigen Balken aus-findig gemacht, der herrlich zu einem Türpfosten paßt; aber er will nochnicht recht von der Stelle; sag's auch den andern dort hinten, daß sie unsziehen helfen!" Solch'Geschäft macht Durst; darum legen sich die Ameisenauch oft einen kleinen Kuhstall an. „Einen Kuhstall?" lachten die Kinder,„ach, das ist gewiß nicht wahr!" „Freilich," sagte der Martin, „ihr habtdoch schon gesehen, daß an Rosensträuchern, Holnuderzweigen und wosich sonst noch gerne die kleinen grünen Tierchen, die Blattläuse aufhalten,immer auch Ameisen herumkriechen?" Die Blattläuse sind die Kühe derAmeisen. Wo eine Ameise e : uc schöne, dicke Blattlaus sitzen sieht, da