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werde, bis er die beiden Rappen abverdient. Er solle arbeiten, wie einKnecht nnd mit seinem Lohn den Schaden bezahlen. Das hätte nun freilichlange gewährt, nnd Knechtsarbeit wollte der Fritz schon gar nicht tun.Es gab nun böse Auftritte bei unserm reichen Nachbar. Fast jeden Taghörte man wildes Toben und Schimpfen und das Weinen und Jammernder Bäuerin. Einmal, es war schon fast Nacht, kam die unglückliche Franatemlos ins Zimmer zu uns gestürzt und schrie: „Er will mir ans Leben!"„Wer denn?" fragt meine Mntter und schiebt der fast zusammenbrechendenFran einen Sessel hin. „Unser Bub', der Fritz," schluchzt die Bäuerin.Der Eindruck, den dieser Vorgang aus uns Kinder machte, ist mir un-nergeßlich. Für uns, die wir mit der höchsten Liebe nnd Ehrfurcht anunseren Eltern hingen, war das etwas so Unfaßbares, so Grauenvolles,daß wir wie erstarrt vor Schrecken waren.
Mit abgerissenen Worten, die beständig im Weinen erstickten, erzähltedie Frau, daß der Fritz von ihr verlangte, sie solle ihm Geld aus derKasse des Vaters geben, und da sie dies nicht tun wollte, habe er siebedroht. „Immer hab' ich ihm gegeben, was ich hatte, hinter dem Rückenmeines Mannes, nnd das ist nun der Dank dafür," stöhnte die Frau . . .„Er bringt uns noch unter die Erde, der elende Bub' .... Womithaben wir das verdient?" .
Da konnte sich mein Vater nicht enthalten, zu sagen: „Nehmt'snicht übel, Nachbarin; aber ich mein' halt, der Junge kann nichts dafür,daß er ist, wie er ist. Denket zurück, wie Euer Fritz noch ein kleinesKind war. Da hat er Fliegen und Käfern die Flügel und Füße ausgerissen;später hat er Frösche und Eidechsen zerschnitten und die jungen Vögelaus dem Nest geworfen; damals habt Ihr Euer Unglück ausgesäet,und jetzt ist die Saat in die Halme geschossen. Wie wollt Ihr, daßEuer Sohn nun ein Herz haben soll für Euch, da Jhr's doch geduldethabt, daß sein Herz hart geworden ist wie ein Stein?" Die Frau nicktenur mit dem Kopfe und schluchzte und meinte fort. Erst als man dasFuhrwerk des Bauern in den Hof rollen hörte, wagte sie sich heim.
Eines Nachts erwacht die Grundhosbäuerin durch einen lautenSchlag in der Stube, die an die Schlaskammer stößt. Sie ruft ihrenMann, und da sie keine Antwort erhält, geht sie in die Stube und findethier den Bauern, wie tot, auf dem Boden liegen. Der Wandschrank, indem das Geld verschlossen war, ist erbrochen. Der Raubmörder ist durchdas Fenster entflohen, an dem man noch die Leiter findet. Auf dasGeschrei der Frau kommen die Dienstleute und zuletzt auch der Sohn herbei.Niemand hat den Hund bellen gehört, der doch so wachsam war.
Während man den leblosen Körper auf das Bett legt, schirrt ein