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einer Rauferei hatte er den Sohn eines reichen Bauern lebensgefährlichverletzt, und nur auf vieles Bitten des Grundhofers und seiner Frau undauf das Angebot eines hohen Schmerzensgeldes standen die Eltern desVerwundeten von einer Anzeige ab, vorausgesetzt, daß ihr Sohn mit demLeben davonkäme und keinen bleibenden Schaden an seiner Gesundheiterlitte. Es verging eine ziemlich lange Zeit, bis das entschieden war, undsie war die ruhigste, die es seit Jahren auf dem Grundhofe gegeben hatte.Das wüste Schreien und Schimpfen des Fritz war verstummt; der Bauerging gedrückt umher, und die Bäuerin hatte immer verweinte Augen. Siesprach jetzt wieder mit uns über den Gartenzaun, wie sie es früher getan,nur viel freundlicher und ohne Hochmut. Ja, sie kam sogar in unsernGarten, setzte sich zu meiner Mutter und klagte ihren Kummer überden Sohn.
Als aber die Gefahr vorüber war und der Fritz sah, daß er wiederungestraft durchkomme, trieb er's ärger als zuvor, und auch der Bauergewann wieder seinen alten Übermut. Es war nicht sowohl die Tat seinesSohnes, was ihn bekümmert hatte, als das drohende Gefängnis. Erhatte sich ja immer etwas darauf eingebildet, daß sein Fritz gar so viel„Schneid" hatte.
Es gefiel ihm auch, wenn sein Sohn recht aufprotzte. Der Fritzsollte nur zeigen, daß sein Vater der reichste Bauer war weit und breit.Eine höhere Ehre, als reich zu sein, gab es ja nicht für den unverständigenMann. Aber allmählich wurde ihm doch des unsinnigen Hinauswerfens desGeldes zu viel, und er wollte nun beginnen, seinen Sohn knapper zuhalten. Allein dieser weise Entschluß kam viel zu spät. Er führte nureine immer wachsende Erbitterung zwischen Vater und Sohn herbei.Diese erreichte den höchsten Grad, als der Fritz ein paar prächtigeRappen, die der Stolz des Grundhofbauern waren, zu schänden trieb. Erwar mit den Tieren, die ihm sein Vater nie anvertraute, ohne dessenWissen in die Stadt gefahren. Dort hatte er die abgehetzten und schweiß-triefenden Pferde vor dem Wirtshaus stehen lassen, ohne ihnen auch nurDecken aufzulegen und hatte dann nach langem Zechen in wilder Fahrt,halb berauscht, den Heimweg angetreten. Er werde noch vor dem zugleichabfahrenden Bahnzuge in seinem Dorfe eintreffen, hatte er geprahlt. Amnächsten Tag war eines der Pferde an der Lungenentzündung gefallen, unddas andere lag in einem erbärmlichen Zustande im Stall. Da geriet derBauer in eine solche Wut gegen seinen Sohn, daß er mit einem Stockeauf ihn losschlagen wollte. Aber der kräftige, junge Mensch stellte sichgegen seinen Vater und entwand ihm den Stock. Von da an haßten sichVater und Sohn. Der schwor, daß er dem Buben nichts mehr geben