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Lehr- und Lesebuch für das achte Schuljahr der Primarschulen des Kantons St. Gallen / nach Vorlage der kantonalen Lehrmittelkommission hrsg. vom Erziehungsrat des Kantons St. Gallen
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krankhaften Schwermut verfallen. Die Leute sagten, sie wäre schwermütig.Sie wurde nach dem Tode ihres Mannes in eine Heilanstalt gebracht; derHof kam unter den Hammer. Verschiedene Käufer teilten sich in das, wasvon dem einst so schönen Anwesen noch übrig war. Einen Teil samt denGebänlichkeiten und dem Vieh erstand unsere Gutsherrschaft, und heuteist mein jüngster Bruder im Besitz unseres ehemaligen Nachbarhauses.

Das war so gekommen: Mein Bruder Georg hatte den Sohn desGutsherrn aus die Universität begleiten dürfen und hatte seine Studienmit außergewöhnlichem Erfolg beendet. An ihm zeigte es sich so recht,wie die Eindrücke und Anregungen, die man in der Kindheit erhält, meistbestiuimend auf das ganze zukünftige Leben wirken. Das fleißige Beobachtender Natur, an das uns der Vater früh gewöhnte, führte meinen Bruder,der zudem mit einem unstillbaren Wissens- und Forschertrieb begabt war,zum Studium der Pflanzen- und Tierkunde, und er hat es darin zu einemangesehenen Namen gebracht. Die Erfolge, die verschiedene seiner Arbeitenhatten, ermöglichten es ihm, auch seine Bruder zu unterstützen und für ihreweitere Ausbildung zu sorgen.

Mein jüngster Bruder Joseph ist bei den Eltern geblieben und hatmit ihnen das kleine Anwesen bewirtschaftet. Vor etlichen Jahren hat ihmdie Gutsherrschaft den Teil des Grundhofes überlassen, den sie beim Todedes ehemaligen Besitzers erworben hatte. Mein Bruder Georg erlegte denKaufpreis. Unsere guten Eltern leben noch. Sie sind in unserem altenHäuschen wohnen geblieben, das mit seinem neuen Ziegeldach schmucker,denn je, unter der grünen Wölbung des Nußbaumes hervorlugt.

(Lesebüchlein desTeutschen Lehrer-Tierschutzvereins".)

25. Das kranke Kind.

Der Vater ist seit Jahren blindBlind sein, ist mehr als sterben!

Die Mutter hat ein krankes Kindund kann nicht viel erwerben.

Die Stube war noch nie so wann,obgleich das Fenster offen,seitdem des Winters harter Armdie Erde hat getroffen.

Die Sonne küsst das bleiche Kindzum erstenmal im Jahre;es spielt ein weicher, warmer Windmit seinem feuchten Haare.