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wenn’s eine Explosion gibt. Besonders bei Krankenbesuchen ist’sso ausserordentlich wichtig, dass man feinhörig ist und die Er-müdung schon heraushört, ehe sie dem Kranken selber klar wird,
— gerade wie der Indianer das nahende Pferdegetrappel schonhört, wenn noch weit und breit nichts zu sehen ist. Es gibt auchmanche Menschen, die so wohl erzogen sind, dass sie selbst inder schwersten Arbeit, oder wenn sie gerade ausgehen wollen,doch noch mit freundlicher Miene Besuch empfangen — wer aberein feines Gehör hat, der wird aus ihrer Stimme leicht hören, dassihre Freudenbezeugung mühsam und verlegen ist. Wer das nichtmerkt, der wird natürlich stundenlang sitzen bleiben, auch wennder andere sogar laut seufzt und gähnt oder sogar direkt sagt,wie sehr er gerade an diesem Tage gehetzt sei. Vergesst ihr nurniemals, dass man mit Eselsohren niemals ein wahrhaft gebildeterund vornehmer Mensch sein kann; die Ohren sind uns nicht dazugewachsen, damit der Hut nicht herunterrutscht, sondern damit sieKundschafterdienst ausüben und uns rechtzeitig melden, wo Liebenottut, wo ein gutes Wort, wo ein herzlicher Händedruck, wo eineBitte um Verzeihung, wo ein schleuniger Rückzug.
Nun noch ein Wort über die Stummen. Ihnen gelten dieVerse: „Die Gefühle ohne Worte und die Stimme ohne Klang.“Ihr könnt euch wohl schon denken, wen ich mit den „Stummen“im Sinn habe. Das sind die Menschen, die nie zu rechter Zeitein freundliches oder dankbares Wort sagen mögen, die im tiefstenInnern sehr treue und innige Gefühle haben, aber es nie der Mühewert halten, irgend etwas davon zu verraten. Manchmal ist esSchwerfälligkeit und Trägheit, manchmal Verschämtheit oder Mangelan Übung. Wenn sie irgendwo eingeladen sind und sich herrlichamüsiert haben, so sagen sie doch mit einem brummigen Gesicht„Adieu“ oder höchstens „Dank schön“; aber nie würden sie sichso weit überwinden und dem Gastgeber etwas ausführlicher sagen,wie er sie erfreut hat und was ihnen ganz besonders gefallen hatund warum es so schön bei ihm sei und dass man sich schon langedarauf freue, bei ihm zu sein u. s. w. Wenn das nicht wahr ist,soll man’s natürlich nicht sagen — aber wenn man’s wirklich fühlt
— warum dann nicht heraus mit der Sprache? Ist etwa schonzu viel Herzlichkeit in der Welt? Ich kann das gar nicht finden.Im Gegenteil. Ein freundliches Wort aus dem Herzen ist ja soselten, und wem es gesagt wird, der verliert es nie, sondern trägtes immer froh und sorgfältig mit sich herum, wie ein 8chulkna.be