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43. Aus dem Drama „Wilhelm Teil“.
Von Fr. Schiller.
I. Stiftung des Bundes.
(Szene im Rütli. Dje Männer von Uri, Schwyz und Unterwaiden stehen im Kreise.)
R 6 d i n g* (in den Ring tretend, auf sein Schlachtschwert gestützt).
Was ist’s, das die drei Völker des Gebirgshier an des See’s unwirtlichem Gestadezusammenführte in der Geisterstunde?
Was soll der Inhalt sein des neuen Bund’s,den wir hier unterm Sternenhimmel stiften ?
Stauffacher. Wir stiften keinen neuen Bund; es istein uralt’ Bündnis nur von Vater Zeit,das wir erneuern. Wisset Eidgenossen!
Ob uns der See, ob uns die Berge scheiden,und jedes Volk sich für sich selbst regiert,so sind wir eines Stammes doch und Bluts,und eine Heimat ist’s, aus der wir zogen.
Alle. Wir sind ein Volk, und einig woll’n wir handeln.
Stauffacher. Die andern Völker tragen fremdes Joch;sie haben sich dem Sieger unterworfen.
Es leben selbst in unsern Landesmarkender Sassen viel, die fremde Pflichten tragen,und ihre Knechtschaft erbt auf ihre Kinder.
Doch wir, der alten Schweizer echter Stamm,wir haben stets die Freiheit uns bewahrt.
Nicht unter Fürsten bogen wir das Knie;freiwillig wählten wir den Schirm der Kaiser.
Rösselmann. Frei wählten wir des Reiches Schutz und Schinnso steht’s bemerkt in Kaiser Friedrichs Brief.
Stauffacher. Denn herrenlos ist auch der Frei’ste nicht.
Ein Oberhaupt muss sein, ein höchster Richter,wo man das Recht mag schöpfen in dem Streit.
Drum haben unsre Vater für den Boden,den sie der alten Wildnis abgewonnen,die Ehr’ gegönnt dem Kaiser, der den Herrnsich nennt der deutschen und der welschen Erde,und, wie die andern Freien seines Reichs,sich ihm zu edelm Waffendienst gelobt;