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Lehr- und Lesebuch für das achte Schuljahr der Primarschulen des Kantons St. Gallen / nach Vorlage der kantonalen Lehrmittelkommission hrsg. vom Erziehungsrat des Kantons St. Gallen
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IV. Gebietserweiterungen.*)

Das ursprüngliche Bundesgebiet der alten Eidgenossenschaft ist nichtollein dadurch vergrößert worden, daß die Zahl derOrte und Zuge-wandten" größer geworden ist, sondern auch dadurch, daß manche Orteihr eigenes Gebiet noch nach ihrer Aufnahme in den Bund ausgedehntund daß ihrer mehrere oder alle zusammen gemeinsam neue Gebieteerworben haben.

So sind die Städte zu den untertänigen Landschaften und dieregierenden Orte" zu den gemeinen Herrschaften gekommen.

Die Mittel waren: Eroberung, Pfandschaft und Kauf. Damals wur-den nämlich auch Staatsgebiete, wie Liegenschaften, verpfändet und verkauft.

Zeit: Der Hauptsache nach fielen diese Gebietserweiterungen indie Zeit zwischen Sempacherkrieg und Burgunderkrieg., Nachdem die Eid-genossen im Verteidigungskampf gegen Österreich Meister geworden waren,gingen sie selber zum Angriffe über und vergrößerten ihr Gebiet aufKosten von Österreich. Die wichtigsten Eroberungen sind:

1. Die Eroberung des Aargaus 1415.

Veranlassung: Über Herzog Friedrichmit der leeren Tasche"war auf dem Konzil zu Konstanz vom Fürstengericht die Reichsacht ver-hängt worden, und der Kaiser hatte die Eidgenossen aufgefordert, die Achtvollziehen zu helfen und dem Herzog das Stammland Aargau weg-zunehmen.

Die Eroberung: Ungeachtet des erst kurz vorher mit Öster-reich auf 50 Jahre erneuerten Friedens rückten dieOrte" ins Feld underoberten in wenig Wochen alle Burgen und Städte des Aargaus. Dengrößten Teil nahmen die Berner, einen großen die Zürcher und auch dieLuzerner, den Rest alle Orte gemeinsam, außer Bern und Uri.

2. Die Eroberung des Thurgaus 1460.

Veranlassung: Es ist ähnlich zugegangen, wie bei der Eroberungdes Aargaus. Herzog Sigmund, der Sohn Friedrichsmit der leerenTasche", war mit dem Kirchenbann belegt worden, und der Papst hattedie Eidgenossen aufgefordert, den Herzog mit Krieg zu überziehen.

Die Eroberung: Der Thurgau wurde noch leichter erobert alsder Aargau. Einzig die Stadt Winterthur leistete erfolgreichen Widerstand.Sie ist aber später an Zürich gefallen.

*) Bergt. V. Lesebuch Nr. 83, und VI. Lesebuch Nr. 54, 64, 65, 85, 87.