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Lehr- und Lesebuch für das achte Schuljahr der Primarschulen des Kantons St. Gallen / nach Vorlage der kantonalen Lehrmittelkommission hrsg. vom Erziehungsrat des Kantons St. Gallen
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und Spirituosenhändlern angeboten werden, enthalten höchst schädliche Al-kohole, die nicht die Natur, sondern die Kunst des Pantschers in seinerGiftküche" geschaffen hat.

2. Seine Einwirkuna auf Körper und Geist.

1. In den Mund eingeführt, erzeugt starker Alkohol ein brennendesGefühl, das sich auch der Speiseröhre und dem Magen mitteilt. Ziemlichrasch dringt er ohne weitere Veränderung durch die Magenmandung, ähn-lich wie Wasser in einen Schwamm oder Löschpapier. Die vielen kleinenÄderchen des Magens saugen ihn auf und führen ihn in den Blutstrom,wo er seine Wirkung beginnt. Die Aufsaugung erfolgt um so schneller,je alkoholreicher das Getränk ist und je weniger Speisen der Magen ent-hält. Auch wird der Übertritt des Alkohols in die Körpersäfte durch Ge-genwart von Kohlensäure in den Getränken (Schaumwein) und durch Er-wärmen (Glühwein, Punsch, Grog u. s. w.) beschleunigt. Mit dem Blutegelangt der Alkohol in alle Gewebe und Organe des Körpers, namentlichin die besonders gefäßreichen Organe: Gehirn, Herz, Leber, Milz und Niere.

Hat der Mensch ein oder zwei Gläschen getrunken, so wird ermunter, gesprächig. Leicht fließt seine Rede; sei» Auge glänzt; er machtviel und lebhafte Bewegungen mit den Händen. Nimmt er noch mehrAlkohol zu sich, so wird er bald reich und stark, vergißt sich selber, machtBemerkungen und begeht Handlungen, deren er sich im nüchternen Zustandeschämen würde. Bald wird das Auge matt, die Zunge schwer, der Gangunsicher: der Mann ist betrunken. Der Boden für Unglück und Verbrechenist geebnet. Warum diese Wirkung? Der Alkohol ist eben ein Gift, daslähmend auf Geist und Körper einwirkt. Selbst kleine Dosen wirken giftig,wenn auch nicht in dem Grade, daß die körperliche oder geistige Gesund-heit auffällig gefährdet wird.

Es gibt keine Krankheit, welche dem Alkohol an ruinöser Wirkungauf die Gesundheit gleichkäme. Es gehen an Alkohol jährlich mehr Menschenzugrunde, als an den schrecklichsten Volkskrankheiten (Lungenschwindsucht1 /t aller Todesfälle).

Eine einmalige Alkoholvergiftung wird selten lebens- oder gesund-heitsgefährlich werden. Wird aber der Alkohol täglich in größern oderkleinern Portionen eingeführt, so ist natürlich, je nach der Widerstandskraftdes Menschen, diese Schädigung dauernd. Wer seine Nerven tagtäglichder Alkoholvergiftung aussetzt, gleicht jener Hausfrau, die Tag und Nachtihr Waschseil Wind und Wetter aussetzt und sich wundert, wenn dasselbenach kurzer Zeit vermodert und zerfällt.Man kann sich den Menschen-