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Lehr- und Lesebuch für das achte Schuljahr der Primarschulen des Kantons St. Gallen / nach Vorlage der kantonalen Lehrmittelkommission hrsg. vom Erziehungsrat des Kantons St. Gallen
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bei 30° Celsius mit 30 g Wasserdampf gesättigt ist. Wird esnun durch einen kältern Windzug abgekühlt, so fällt der Wasser-dunst wohl bald als Regen nieder. Aus diesem Grunde sind dieKuppen hoher Eisberge meist von Dunst umschleiert. Die Eis-temperatur der Schneegipfel kühlt die beinahe gesättigte Luft,wenigstens im nächsten Umkreis.Hat der Säntis einen Hut, sowird das Wetter gut; hat er einen Degen, so gibt es Regen!Wieso ist diese zutreffende Wetterregel zu erklären ?

2. Die Temperatur, bei der die Ausscheidung des Wassers ausdem Luftmeer beginnt, heisst Taupunkt, Die Fenster schwitzenam Abend, wenn die Schneeluft des Winters mit der feuchtenZimmerluft auf der kalten Fensterfläche in Berührung tritt. DasSchwitzwasser gefriert bis zum Morgen zu den herrlichsten Eis- 'blumen. Tritt der bebrillte Mensch am kalten Wintertage in diewarme Stube, so beschlagen sich die kalten Gläser mit Wasser-dunst; er sieht für einen Augenblick nichts. An heissen Sommer-tagen schwitzen Brunnenröhren und steinerne Kellertreppen. Siekühlen die für ihre Temperatur gesättigte Luft ab und zwingensie zumTauen oder Fallenlassen des Wasserdampfes, der sichan die kalten Gegenstände ansetzt. Da eben solche Luft sehrleicht ihre Feuchtigkeit abgibt, deuten die Bauersleute diese Er-scheinung ganz richtig auf kommenden Regen.

Andere Wetterpropheten aus dem Tier- und Pflanzenreich?

3. Wie es in den Wohnräumen zur Taubildung kommt, soauch im Freien. Gegenstände, die über Nacht draussen stehen,beschlagen sich oft mit Tau. Das Gras der Wiese wird mit tausendTropfen behängen, die als hübsche Wasserperlen, Morgentau ge-nannt, beim Sonnenaufgang in den herrlichsten Farben glitzern.Aber nicht jede Nacht kommt es zur Taubildung. Sorgfältige Be-obachtung zeigt uns, dass besonders heitere und windstille Nächteder Taubildung günstig sind, während bei bewölktem Himmel undwindigem Wetter sich kein Tau auf der Erde legt. Die Gründeergeben sich leicht. Am Tage hat die Sonne ihre Wärme an dieErdrinde abgegeben. Bilden nun die Wolken während der Nachteine schützende Decke über der Erde, so wird die Wärmeaus-strahlung in den weiten Weitenraum verhindert. In sternenhellerNacht dagegen entbehrt die Erde des schützenden Mantels. Siegibt die empfangene Wärme als braves Sonnenkind wieder ab.Die Erdrinde wird kalt und kühlt auch die anliegende Luft ab.Diese scheidet einen Teil ihres Wasserdampfes aus: Tau liegt am