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Lehr- und Lesebuch für das achte Schuljahr der Primarschulen des Kantons St. Gallen / nach Vorlage der kantonalen Lehrmittelkommission hrsg. vom Erziehungsrat des Kantons St. Gallen
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Diese bildet sich in der Humusschicht des Bodens, ist also einProdukt der Verwesung. Als Quellwasser quillt es wieder an die Erd-oberfläche. Ist dieses durch bestimmte mineralische Beimischungenausgezeichnet, so nennt man es Mineralwasser. Unser Heimatlandist, wie kein anderes der Erde, mit solchen Brunnen, die tausendund tausend Hoffnungslosen wieder Lebensmut und dauernde Ge-sundheit geben, reich gesegnet. Die Bäder von Baden und Scliinz-nach, Pfäffers und Ragaz, St. Moritz und Tarasp, am Gurnigel, vonLenk und Lenk im Wallis, sowie die Solen von Rheinselden undBex erfreuen sich eines Weltrufes. Allbekannt ist das Selterswasser,das bei Selters in Hessen aus der Erde quillt und neben Kohlen-säure viel Soda enthält, der Emser Brunnen, die Kissinger Salzquelle,der Karlsbader Sprudel, der zugleich recht warm ist (73,8 ° C).

2. Ganz reines Wasser ist farblos, geschmack- und geruchlos.In dicken Schichten erscheint es bläulich. Sieht das Wasser grünaus, so rührt das von pflanzlichen Beimischungen, insbesonderekleinen Algen her, die zu Millionen in einem einzigen Wasser-tropfen ihr Leben fristen. Aber auch andere organische Substanzen,die von abgestorbenen grössern oder kleinern Lebewesen herrühren,kommen darin vor und werden in der Regel zum Nährboden fürjene mörderischen Kleinwesen, die uns unter dem Namen Bakterienoder Spaltpilze bekannt sind. Durch die Kohlensäure erhält dasWasser einen recht angenehmen, prickelnden Geschmack; fehlt sieganz, so schmeckt es fade. Wasser, das wenig oder gar keineBeimengungen enthält, so Regen-und Flusswasser, heisst weichesWasser. Alles andere Wasser ist hart. Es ist gutes Trinkwasser,insbesondere wenn es nicht übexunässig Kalk enthält, eignet sichaber schlecht zum Waschen und Kochen. Weiches Wasser dage-gen ist gutes Koch- und Waschwasser, aber blödes Trinkwasser.Durch Kochen des Wassers verjagen wir die Kohlensäure; ein Teildes Wassers verdampft. Die andern mineralischen Beimischungensetzen sich als Kesselstein zu Boden, und das Wasser ist weichgeworden. Sollen in hartem Wasser Bohnen, Erbsen, überhauptHülsenfrüchte gesotten werden, so geht der Kalk mit dem Eiweiss,dem Hauptnährstoff, eine unlösliche Verbindung ein; die Bohnenund Erbsen werden nicht weich und bleiben schwer verdaulich.Auch zu Waschwasser ist hartes Wasser nicht verwendbar. DerKalk ist wieder der böse Unhold, der sich mit der Seife zu un-löslicher, nicht schäumender Kalkseife verbindet. Wasser zumKochen der Speisen wird durch Kochen weich gemacht oder wir