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setzen demselben eine Messerspitze voll Bullrichs Salz, dem Wasch-wasser etwa 1 Gramm Soda per 1 Liter bei.
3. Nicht jede Landesgegend, jeder Ort ist im glücklichenBesitze eines guten Trinkwassers. Auch schätzen wir dasselbe erstrecht, wenn uns die Zunge vor Durst am Gaumen klebt und wirweit von jeder Quelle entfernt sind, oder wenn ein böser Nachbaruns den Brunnen abgraben will. Oft muss gutes Trinkwasserstundenweit im klaren Bergsee gefasst und in kostspieliger Leitungnach der Stadt geführt werden. Aber im Hinblick auf seine Not-wendigkeit für die Gesundheit der Menschen erscheint das alseine kleine Leistung. Lassen wir doch Bier aus München undPilsen, Weine aus aller Herren Ländern kommen, um uns einenGenuss zu verschaffen, der nur zu häufig für unser körperlichesund sittliches Wohlbefinden von zweifelhaftem Wert ist. Wo aberkein schmackhaftes Trinkwasser zu holen ist, da wird Seewasserdurch Kohlen- und Kiesfilter gereinigt und zu bestem Trinkwassergemacht.
Grundwasser sollte nie als Trinkwasser verwendet werden.Und doch geschieht es noch häufig. Es enthält, wie wir bereitswissen, höchst gefährliche Krankheitskeime, so vorn Typhus, derCholera und dem Milzbrand. Hier muss die öffentliche Gesund-heitspflege einsetzen und gebieterisch durch genügende Wasser-versorgung einem Unheil, dem auch Schuldlose erliegen könnten,vorbeugen. Die Stadt St. Gallen bezieht ihr Trinkwasser aus demBodensee, wo dasselbe in einer Tiefe von zirka 50 m im Seedraussen gefasst — filtriert — durch Pumpwerke an den Ver-brauchsort geführt wird.
5. Der Wasserdampf und seine Spannkraft.
1. Wenn die Mutter Wasser in der Pfanne Ubers Feuer setzt,so hören wir bald einen singenden Ton. Die entweichende Luftist Ursache hiervon. Bald gerät das Wasser in wallende Bewegungund bei 100° C siedet es, das heisst, es geht aus dem flüssigenZustand in den gasförmigen über. Beobachten wir den Siedevor-gang in einem Bechergläschen. Wir erhitzen: Das Wasser singt,und bald kocht es. Zuerst wird natürlich das Wasser, das derFlamme am nächsten ist, in Dampf verwandelt. In Blasen steigtdieser auf. Das Wasser trübt sich; denn die im Wasser gelöstenKörper (Kalk) werden ausgeschieden, weil ihnen eben das Lösungs-mittel entzogen wird. Als Kessel- oder Pfannenstein bilden sie
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VIII. Lesebuch