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und treibt die Flüssigkeit durch die feine Öffnung in hohem Bogenin die Luft.
Auf der nämlichen Luftdruckerscheinung beruht die Kletter-kunst der Laubfrösche an der Glasscheibe. (Wieso ? Wie bei derFliege ?) Das Haften des hohlen Schlüssels an den Lippen und dasAufsteigen der Flüssigkeit im Giftheber oder der Pipette beruhtauf der gleichen Erscheinung.
3. Der Kronenwirt hat heute das grosse Fass Jeninser, denfeurigsten Schweizerwein, erhalten. Ein gutes Tröpfchen, weithinbekannt! Nun aber sind die Kellerräume zu eng. Das Fass kannnicht in den Keller gebracht werden. Aber auf einfache Weisehilft sich der kundige Wirt. Er stellt das Fass vor die Kellerfenster.Drinnen auf den grossen Lagern liegen sauber gereinigte, kleinereFässer, die den neuen Wein bald aufnehmen sollen. Der Spundwird losgeschlagen. Eine zweischenkelige Blechröhre wird vornKüfer Franz herbeigeholt. Der kürzere Schenkel wird durchsSpundenloch ins Fass gesteckt, der andere durch einen Schlauchverlängert und durchs Kellerfenster ins Fass, das gefüllt werdensoll, gesteckt. Jetzt nun zieht man mit dem Mund Luft aus derRöhre und verdünnt sie in derselben ; der Wein Hiesst nach, bis dasgrosse Fass leer ist. Die blecherne Röhre nennt man Saugheber:Heber, weil man die Flüssigkeit von einem Gefäss in das anderehebt, und Saugheber wohl, weil er durch Luftverdünnung, durchSaugen, in Tätigkeit gesetzt wird. Er Hiesst, so lange die Ausfluss-öffnung tiefer liegt, als der Spiegel der Flüssigkeit, die überhobenwerden soll.
2. Die Pumpen.
Wir haben schon früher gehört, dass Bodenseewasser alsTrinkwasser nach der Stadt St. Gallen befördert wird. Dies ge-schieht durch Pumpen. Sie dienen dazu, Flüssigkeiten aus tiefergelegenen Orten in höhere zu bringen. Wir unterscheiden Saug-und Druckpumpen. Ihre Einrichtung und Wirkungsweise ist sehreinfach.
a) Die Säugpumpe.
Sie besteht aus folgenden Hauptteilen: 1. dem gleichmässigsauber ausgebohrten Zylinder AB, Pumpenstiefel genannt, 2. demSaugrohr BC. Oben trägt dasselbe das Bodenventil Y; eine untereSeitenwandung ist siebartig durchlöchert. In dem Pumpenstiefelbewegt sich der gut schließende Kolben durch die Kolbenstange