nicht daran, daß kein Menſch ſie dort im Graſe ſehe, und daßſie eine arme verachtete Blume ſei. Nein, ſie war ganz ver-gnügt. Sie wendete ſich der warmen Sonne gerade entgegen,ſah zu ihr auf und horchte auf die Lerche, die in der Luftſang. Die Gänſeblume nickte empor zu dem glücklichen Vogel,der ſingen und fliegen konnte. Sie war aber gar nicht betrübt,daß ſie es ſelbſt nicht konnte. Ich ſehe und höre ja, dachte ſie.Die Sonne beſcheint mich, und der Wind küßt mich! O, wiereich bin ich doch begabt worden!
3. Innerhalb des Zaunes ſtanden ſo viele vornehmeBlumen. Je weniger Duft ſie hatten, um ſo mehr prunktenſie. Die Tulpen hattendie allerſchönſten Farben.Das wußten ſie wohl undhielten ſich kerzengerade,damit man ſie beſſer ſehenmöchte. Sie beachteten die
kleine Gänſeblume dadraußen gar nicht; aber ſieſah deſto mehr nach ihnenund dachte: Wie ſind ſiereich und ſchön! Ja, zu ihnen fliegt ſicher der prächtige Vogelhernieder und beſucht ſie! Und gerade, wie ſie dachte, quiwit!da kam die Lerche geflogen, aber nicht zu den Tulpenherunter, nein, nieder ins Gras zu der armen Gänſeblume.Die erſchrak ſo vor lauter Freude, daß ſie gar nicht wußte,was ſie denken ſollte.
Der kleine Vogel tanzte rings um ſie her und ſang:Nein, wie iſt doch das Gras ſo weich! Und ſieh, welchliebliche Blume mit Gold im Herzen und Silber auf demKleide! Der gelbe Punkt in der Gänſeblume ſah ja auchaus wie Gold, und die kleinen Blätter ringsherum erglänztenſilberweiß.