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Lesebuch für das dritte Schuljahr / bearb. von der thurgauischen Lehrmittelkommission ; [Buchschmuck von Carl Roesch]
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Nachricht für euch, ihr Kinder. Der Onkel ſchreibt, ihr dürfetin den Ferien zu ihm in die Stadt kommen. Heinrich undEmma jubelten vor Freude.

Als der Vater heimkam, freute er ſich mit den Kindernüber die gute Nachricht. Er ſprach: Wißt ihr was, Kinder.Jetzt iſt ſo ſchönes Wetter. Es iſt ſchade, in den dumpfenEiſenbahnwagen zu ſitzen. Man kann da die Gegend dochnicht recht betrachten. Wir wollen am Morgen früh aufſtehen;dann gehen wir miteinander zu Fuß in die Stadt.

Die Kinder konnten kaum ſchlafen vor Freude. Mittenin der Nacht wollten ſie ſchon aufſtehen, und die Mutter mußteſie wieder ins Bett ſchicken.

Das war nun ein prächtiger Morgen. Die aufgehendeSonne vergoldete den klaren Himmel. Im Graſe glitzerten dieTautropfen. Und das muntere Vogelgezwitſcher von allenBäumen und Dächern herab! Nein, ſo ſchön hatten ſich dieKinder eine Wanderung am frühen Morgen nicht vorgeſtellt.Der Vater ſchritt tüchtig aus; aber Heinrich und Emmahüpften doch munter voraus, wie Zicklein. Bald gab es hier,bald dort etwas zu fragen, zu⸗ zeigen und zu bewundern.

So kamen die drei Wanderer faſt unvermerkt auf diebreite Landſtraße, die nach der Stadt führte. Da hieß es nunaufpaſſen. Milchfuhrwerke mit ganzen Reihen blechener Ge-fäße, Wagen mit Gemüſen über und über beladen, fuhrennach der Stadt. Ein Automobil raſte daher. Immer zahlreicherwurden die Fußgänger. Da gingen nun die Kinder am Randeder Straße hübſch hinter dem Vater her. Die Häuſer zu beidenSeiten ſtanden dichter beiſammen. Heinrich meinte, da ſtehe ja einSchloß am andern. Ein ſolch ſchönes Haus mitten in Garten undAnlagen nennt man eine Villa, belehrte der Vater. Die Unmengevon Drähten an den Häuſern und auf hohen eiſernen Maſtenkonnte man ſchon gar nicht mehr zählen. Die Häuſer wurden

immer höher. Emma zählte vier, fünf, ja ſogar ſechs Stockwerke.