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Hans Wcbcr.
Mit diesem Bau hing zusammen die große Frage der Weiterentwicklung derschweizerischen Eisenbahnen, und sie kam nicht zur Ruhe, bis die Lösung gefundenwar im Rückkauf derselben durch den Bund. Auch hier wieder war Welti derPionier und Bahnbrecher. Wir wollen keinen Stein auf jene Männer werfen,die vor fünfzig Jahren in guten Treuen das System des Privatbaus den da-maligen Zuständen entsprechend gefunden haben; aber im Laufe der Zeit hat essich erwiesen, daß dieses System nicht imstande ist, den Interessen des Verkehrsganz zu genügen, und daß dies nur unter staatlicher und einheitlicher Leitung derBahnen niöglich wird. Und als Welti nach der gründlichsten und eingehendstenPrüfung und Untersuchung als Chef des eidgenössischen Eisenbahndepartements dieseÜberzeugung ebenfalls gewonnen hatte, da ist er auch mit seiner gewohnten Energiedafür eingetreten. Er hat sein Ziel nicht erreicht. Aber als nach seinem Austrittaus dem Bundesrat ihm das Schweizervolk im Februar 1898 durch Gutheißungdes Rückkaufes die Genugtuung brachte, daß seine Idee zur Wirklichkeit geworden,da hat sich niemand herzlicher und neidloser als er über den endlichen Sieg derguten Sache gefreut.
Es ist nicht möglich, hier ein vollständiges Bild dieses reichen Lebens zugeben. Aber eine andere Frage habe ich noch zu beantworten: Wo liegt derGrund, daß Welti als leitender Staatsmann während eines Vierteljahrhundertseinen so gewaltigen Einfluß ausgeübt und sich einer seltenen Volkstümlichkeit er-freut hat, er, der sich nie dazu hergegeben, sich um den Preis irgend einer Unauf-richtigkeit einen Erfolg zu sichern und der Popularität zulieb seine Überzeugungzu opfern? War es nur seine überlegene Intelligenz, das reiche Wissen, überdas er verfügte? Nein. Es waren nicht minder seine seltenen Charaktereigen-schaften, die ihn befähigten, eine so große Rolle zu spielen.
Und da war es vor allem sein starkcntwickeltes Gerechtigkeitsgefühl, infolgedessen er zum Schutze der verfassungsmäßigen Rechte der Bürger keine Parteien kannte.Er lebte der Überzeugung, daß diese erste aller Tugenden, die Gerechtigkeit, auch derideale und materielle Zweck des Staates sei: Gerechtigkeit erhöht ein Volk, Unrechtbringt es ins Verderben. Sie ist der einzige Schutz, die einzige Wehr desSchwachen gegen den Starken, der Minderheit gegen die Mehrheit. GleichesRecht für alle und gegen alle in großen und in kleinen Dingen! Das wares, was Welti immer wieder forderte, und es sollte keinen Ratsaal geben, in demdiese Worte nicht in goldener Schrift eingegraben sind. Nur die Gewißheit desgleichen Rechtes sichert den Behörden das volle Vertrauen des Volkes.
Ein anderer Grundzug von Weltis Charakter war seine Wahrhaftigkeit undAufrichtigkeit. Und darin lag auch der bestrickende Zauber seiner Beredsamkeit:in dem hohen sittlichen Ernst, der tiefen Überzcugungstreue, die aus jedem seinerWorte sprach. Es war der Eindruck, daß der Redner kein einziges Wort je-mandem zulieb oder zuleid gesprochen, sondern seine ganze Persönlichkeit einsetztefür seine Überzeugung, die nur das Wohl des Ganzen im Auge hatte. Das war dieBeredsamkeit, die von Herzen kommt und zu Herzen geht. Und die gleichenEigenschaften, gepaart mit einer wahrhaft humanen Bildung, führen auch dazu,gegen Andersdenkende gerecht zu sein, die Gründe ihres Handelns zu verstehenund zu achten, sobald sie aufrichtig sind. Daher verurteilte Welti das politischePfaffentum nicht minder als das kirchliche. Sie entspringen beide einem Unfehl-barkeitswahn mit der sie begleitenden Unverträglichkeit. Daher auch seine Ver-achtung des innerlich unwahren, nur auf Ehrgeiz und hohler Reklame beruhendenStrebertums.