Theodor Storni.
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8. Doch nun, ihr Götter, darf ich hoffen,Gerettet sei das Vaterland,
Da mich allein der Blitz getroffen,
Den das Geschick herabgesandt.Gesättigt nun in einer vollen,
Gewalt'gen Rache ward sein Grollen;Denn Unglück traf mein Haupt so schwer,Daß den Besiegten ich beneide:
Ihm blieben seine Söhne beide,
Ich aber habe keinen mehr!"
62. Theodor Skorm.
1. Es ist so still; die Heide liegtIm warmen Mittagssonnenstrahle,
Ein rosenroter Schimmer fliegtUm ihre alten Gräbermale;
Die Kräuter blühn, der HeideduftSteigt in die blaue Sommerluft.
2. Laufkäfer hasten durchs GesträuchIn ihren goldnen Panzerröckchen,
Die Bienen hängen Zweig um ZweigSich an der Edelheide Glöckchen;
Die Vögel schwirren aus dem Kraut,Die Luft ist voller Lercheulaut.
Abseits.
3. Ein halbverfallen niedrig HausSteht einsam hier und sonnbeschienen.Der Kätner lehnt zur Tür hinaus,Behaglich blinzelnd nach den Bienen;Sein Junge auf dem Stein davorSchnitzt Pfeifen sich aus Kälberrohr.
4. Kaum zittert durch die Mittagsruh'Ein Schlag der Dorfuhr, der entfernten;Dem Alten fällt die Wimper zu,
Er träumt von seinen Honigernten.
— Kein Klang der aufgeregten ZeitDrang noch in diese Einsamkeit.
1. Wie liegt im MondenlichteBegraben nun die Welt!
Wie selig ist der Friede,
Der sie umfangen hält!
2. Die Winde müssen schweigen,So sanft ist dieser Schein;
Sie säuseln nur und webenUnd schlafen endlich ein.
Mondlicht.
3. Und ivas in TagesglutenZur Blüte nicht erwacht,
Es öffnet seine KelcheUnd duftet in die Nacht.
4. Wie bin ich solchen FriedensSeit lange nicht gewohnt!
Sei du in meinem LebenDer liebevolle Mond! -
Godc Nacht!
1. Oever de stillen Straten 2. Din Kind liggt in de Wegen,
Geit klar de Klokkenslag; Un ik bün ok bi di;
God' Nacht! Din Hart will slapen, Din Sorgen un din LevenUn morgen is ok en Dag. Js allens um un bi.
3. Noch eenmal lat uns spräken:
Godeu Abend, gode Nacht!
De Maand schient op de Däken,
Uns' Herrgott hölt de Wacht.
Für meine Söhne.
1. Hehle nimmer mit der Wahrheit!Bringt sie Leid, nicht bringt sie Rene;Doch weil Wahrheit eine Perle,
Wirf sie auch nicht vor die Säue!
2. Blüte edelsten GemütesIst die Rücksicht; doch zu ZeitenSind erfrischend wie GewitterGoldne Rücksichtslosigkeiten.
3. Wackrer, heimatlicher GrobheitSetze deine Stirn entgegen;
Artigen Leutseligkeiten
Gehe schweigend aus den Wegen!
4. Wo zum Weib du nicht die Tochter-Wagen würdest zu begehren,
Halte dich zu wert, um gastlichIn dem Hause zu verkehren!