502
Theodor Storni.
5, Was du immer kannst, zu werden, 6. Wenn der Pöbel aller SorteArbeit scheue nicht und Wachen! Tanzet um die golbneti Kälber,
Aber hüte deine Seele Halte fest: Du hast vom Leben
Bor dem Carriere-Machen! Doch am Ende nur dich selber!
Oltobrrlicd.
1. Der Nebel steigt, es fällt das Laub;Schenk' ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen TagVergolden, ja vergolden!
2. Und geht es draußen noch so toll,Unchristlich oder christlich,
Ist doch die Welt, die schöne WeltSo gänzlich unverwüstlich.
3. Und wimmert auch einmaldas Herz—Stoß an und laß es klingen!
Wir wissen's doch: ein rechtes HerzIst gar nicht umzubringen.
4. Der Nebel steigt, es fällt das Laub;Schenk' ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen TagVergolden, ja vergolden!
5. Wohl ist es Herbst; doch warte nur.Doch warte nur ein Weilchen!
Der Frühling kommt, der Himmel lacht,Es steht die Welt in Veilchen.
6. Die blauen Tage brechen an,
Und ehe sie verfließen,
Wir wollen sie, mein wackrer Freund,Genießen, ja genießen!
Notgedruugcner Prolog
Zll einer Aussiihrung des „Peter Squeich" von Gryphins.Der Pickelhering tritt auf:
Hier mach' ich euch mein Koinpliment!Der Pickelhering bin ich genennt.
War einst bei deutscher NationEine wohlansehnliche Person;
Hatt' mich in Schlössern und auf GassenNicht..Schimpf noch Sprung verdrießen
lassen,
Und mit manch ungefügem StoßMein' sauren Ruhm gezogen groß.Doch Undank ist der Welt ihr Lohn!Seit war ich lang vergessen schon;Verschlief nun in der RumpelkammerAll Lebensnot und Erdenjammer.
Da haben sie mich über NachtPlötzlich wieder aus Licht gebracht.Wollen ein alt, brav Stück tragieren,Drin meine Kunst noch tut florieren,Ein Stück, darinnen sich von zweiNationen zeiget die Poesei.
Ein Engländer Shakespeare hat es
ersonnen,
— Hab' sonst just nichts von ihm
vernommen;
Dann aber hat es Herr Gryphius,
Der gelahrte Poete und Syndikus,
In rechten Schick und Schlag gebrachtllnd den deutschen Witz hineingemacht.
Da hört ihr, wie ein ernster MannAuch einmal feste spassen kann.
Doch, Lieber, sag' mir, wenn's gefällt:— Ich war so lang schon außen derWelt —
Herr Professor Gottsched ist doch nichtzugegen?
Ich gehe demselben gern aus den Wegen!Es ist ein gar gewaltsamer MannUnd hat mir übel Leids getan;
Meinen guten Vetter Hans Wurstei: hat erZu Leipzig gejaget vom Theater,
Weil er zu kräftiglich tät spassen.
Hätte ja mit sich handeln lassen!
Wir — haben unsre Kurzweil' auch;Doch, Lieber, alles nach Fug und Brauch!Denn sonders vor dem FrauenzimmerMuß man subtile reden immer;
Sie zeuchen das Sacktuch sonst vorsGesicht,
Und da schauen sie die Eomoedia nicht.Dies aber wär' schad' überaus;
Denn es ist ein ganzer Blumenstrauß:Tulipanen und Rosinarin,
Auch Kaiserkronen sind darin;
Die Vergißmeinnichte, so es zieren,Werden euch sanft das Herze rühren;