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und rollt wieder über den Grund dahin, wo eben noch der Unglück-liche seine Fussstapfen hinterlassen hat“.
Hier hielt der alte Sam inne und sagte dann traurig: „Viele,viele menschliche Wesen kommen auf diese Weise um. Es ist einelendes, kummervolles Leben auf diesen kleinen Inseln, lieber Herr.Der Tod steht immer vor der Türe, und doch würden diese einsamenMenschen, auch wenn ihnen ein viel leichteres Leben geboten würde,ihre Hallig nicht verlassen, wo es bei aller Not und Qual doch soschön ist. Denn es steht auch manch kleines, nettes Haus draussenauf den Warften, so reinlich, blank und sauber, wie es nur bei denFriesen gefunden wird. Die Wände weiss und mit bemalten Fliesen(Platten) belegt, die Decke blau angestrichen, auf Tischen, Stühlenund Fussböden kein Fleckchen und alles so in Ordnung, dass mansich freuen muss. Da sitzt es sich warm und gut am Herde. Wenndraussen auch der Sturm heult und die Wogen brüllen, niemandachtet es viel. Dort werden auch die allerkülmsten Seeleute auf Erdengeboren; die besten Schiffskapitäne und Steuerleute kommen von denInseln und Halligen. Früher nahmen die Holländer keine andern fürihre grossen Indienfahrer, und noch jetzt führen viele die schönstenSchiffe durch das Weltmeer. Manche darunter werden wohlhabend;aber selten ist einer, der, wenn er alt wird, nicht wiederkehrte, umin seiner Heimat zu leben oder wenigstens zu sterben “. 1
„Und dazu kommt es zuweilen, ehe die Leute es sich versehen.Wenn Nordweststurm die Springflut in die Buchten der Frieseninselntreibt, dann schwillt die See zuweilen bis auf vierzig Fuss über ihrengewöhnlichen Stand; alle Halligen, alle offenen Ebenen der Friesensind dann unter Wasser. Die Vogel fliegen weit ins Land, um ihrLeben zu retten; da sieht man die sclieuesten Geschöpfe kommenund Obdach suchen bei den Menschen, und an den Bändern der ödenDeiche klammern sich wildklagende Möwenschwärme fest, denen vorihrer eigenen Heimat, dem Meere, bange wird. Dann zittert das Hausauf der Warft; die Betten bewegen sich; der Grund dröhnt dumpfunter dem Wogenschlag und scheint zu wanken, und der arme Hallig-bewohner blickt bang in das Krachen und Brausen hinaus. Betendfaltet er mit Weib und Kind die Hände, dass Gott sich erbarme, dereinzig ihn erretten kann. Betend birgt er seine Schafe und seinebeste Habe unter das Dach und flieht endlich mit allen, die mit ihmsind, selbst dort hinauf, wenn das Wasser durch Fugen und Wändequillt. Weiter fliehen kann keiner — wohin sollte er? Rund um ihnschäumt und brandet die See. Er kann nichts hören als das Heulenund Sausen des Windes, das Knarren des Hauses und das Brausen
1 Siehe das Gedicht „Der Ilalligmatrose“ von Hermann Allmers.
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