Band 
Band I.
Seite
136
JPEG-Download
 

136

den Deiche hat; denn wo sollte das Geld dazu herkommen ? Diemeisten Halligen sind nur ein paar hundert Schritte lang und breit,und viele von ihnen sind ganz unbewohnt und dienen allein dazu,etwas Heu zu liefern, das aber auch oft von der Flut fortgespiilt5 wird, ehe die armen Halligleute es bergen können“.

„Das Haus steht auf einer Warft in der Mitte der Hallig; aberauch die Warften sind so klein, dass meist nur ein schmaler Gangrund um das Haus herum übrig bleibt. Da ist kein Hof mit Stall undGebäuden, wie hier auf den grossen Warften in der Marsch; da ist10 nirgends ein Stücklein Gartenland; da blüht keine Blume; da ist keinStrauch und kein Baum, der ein schattiges Plätzchen böte. Selbst wennder Raum da wäre, der scharfe Seewind 'würde es nimmer dulden,und ebensowenig wächst auf der Hallig eine nährende Frucht; dieÜberschwemmungen des Meeres, das bei jeder hohen Flut über die15 Hallig geht, lassen nichts keimen und gedeihen. Das fahle, langeGras allein kommt dort fort und wird von Schlammstellen und Wasser-löchern unterbrochen“.

„Da ist denn auch nirgends eine Quelle, nirgends ein Ort, woTrinkwasser sich sammeln könnte; nichts als schlammiges, trübes20 Salzwasser ringsumher und auf der Warft eine Grube, mit Rasenbekleidet, wo es hineinregnet, wenn Gott Regen gibt. Aus dieserGrube, in welche das Wasser auch aus der Erde hinein sickert, trinkendie Schafe, und die Halligleute bereiten aus diesem Wasser ihrenTee, ihr einziges Labsal, obwohl er von dem Salzgehalt einen Ge-25 schmack hat, an den man sich erst gewöhnen muss. Wenn sie mitihren Booten an das Festland fahren, so bringen sie wohl ein Tönn-chen süsses Wasser heim, und wenn die Sommerdürre kommt, müssensie manche Fahrt darnach machen, weil sie sonst verschmachtenwürden “.

30 „So hat der Halligbewohner wenig Freude und viele Mühen,nicht einmal einen rechten Fischfang; denn die See ist voll aufge-wühlten Schlammes, und die Fische hüten sich davor und überlassendas schmutzige Wasser den Rochen und den Seehunden“.

„Wenn die Ebbe kommt, tritt das Meer meilenweit zurück und35 legt einen weichen Schlammgrund bloss. Unzählige kleine und grosseRinnen und Löcher durchfurchen diesen Schlammboden, und in ihnenfängt der Halligmann Rochen und Krabben; hie und da gelingt esihm auch wohl, einen Seehund zu fangen, der beim raschen Ablaufdes Wassers nicht schnell genug entfliehen konnte. Aber wehe dem40 Fischer, wenn er dem Meere zuviel vertraut! Denn oft kehrt dieFlut vor der Zeit zurück, und ein zwanzig Fuss hohes Meer rauscht